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Lorenzo Lamas gegen meinen Verstand
Normalerweise wehre ich mich ja vehement dagegen, Werbung in meinen Geschichten zu machen, aber Sie, liebe Leser, wissen um die Generalentschuldigung aller Inkonsequenten „Regeln sind dafür da, gebrochen zu werden“. Na gut. Die Älteren unter Ihnen, welche in den 80er Jahren schon auf das richtige Videoformat gesetzt hatten und sich nicht einen schweineteuren „Video 2000“-Recorder haben aufschwatzen lassen, werden sich eventuell noch an Lorenzo Lamas erinnern. Na, klingelt es? Lorenzo Lamas war der sexuelle Vorläufer einer ganzen Generation von Schmacht-Latinos wie Antonio Banderas, Enrique Inglesias oder Benicio del Toro, sozusagen der Prototyp des Latin Lovers. Er hatte ein beeindruckendes anabolika-designtes Kinn und einen noch beeindruckenderen stahlharten männlichen Blick, so dass alle anwesenden Damen beim In-Ohnmacht-Fallen weich auf einem riesigen Berg von Testosteron landeten. Der Lorenzo nahm sie dann eventuell sogar in seine kräftigen schwarz behaarten Arme, wenn er dafür Geld bekam und schüttelte sein glänzend schwarzes zum strengen Zopf gebundenes Haupthaar. Er sah immer aus wie aus dem Ei gepellt, hatte nur Falten an Stellen, die vertraglich festgelegt waren, wobei ansonsten sein Haargummi das facelifting übernahm. Ja, so war das früher. Wissen Sie, was aus ihm wurde? Ich hatte irgendwie im Gedächtnis, gelesen zu haben, dass Lamas irgendwann in einem übel beleumundeten Fitnessstudio an einer Überdosis Eiweissdrinks eingegangen war oder vielleicht hatte er doch irgendwann sein coming-out und lebt heute als übergewichtiger golfspielender Rentner in Florida, aber nichts von alledem ist war. Er macht immer noch Filme, der Lorenzo Lamas! Sein neuestes Meisterwerk trägt den Titel „Mega Shark vs. Giant Octopus“ oder so ähnlich und ist – wie der Titel schon verrät – eine literarische Hommage an Henrik Ibsen. Na gut, jetzt habe ich ein bißchen geschwindelt, aber es kommt dem sehr nah. „Mega Sahrk vs. Giant Octopus“ ist die Persiflage eines Actionfilmes mit Horroranteil und fand in unserer Videothek in die Hand meiner Freundin. Das Cover war gar nicht mal so übel gestaltet und als ich den Namen Lorenzo Lamas entdeckte, überkam mich ein nostalgischer Schauer. Meine Süße konnte mit diesem Namen nicht besonders viel anfangen (sie ist Baujahr´81), doch da der Hauptdarsteller nach meiner Vorstellung bereits die 70 Jahre überschritten haben mußte, drohte mir von der Seite keine Gefahr (gegen einen 70jährigen sehe ich recht knackig aus). Was wir dort in Händen hielten, war ein Kleinod der „Goldenen Himbeere“, ein Beispiel für einen vergeigten Low-Budget-Film, der allerdings so übel war, dass man ihn gesehen haben muss. Bei gleichzeitiger Einnahme von psychotrophen Substanzen war der eine oder andere Lachflash fast schon garantiert. Aber sowas machen wir natürlich nicht und liebe Kinder: Drogen sind schlecht und führen immer in den unvermeidlichen Abgrund. Schaut Euch mal den Lorenzo an. Der hat seinem Fitneßtrainer den Traubenzucker weggesnifft und muss zur Strafe nun in Filmimitationen auftreten. Und das wollt Ihr doch bestimmt nicht, oder? Aber zurück zu den Mega-Sharks und Giant Octopussen (oder Octopussis ?): die erste Szene spielte offenbar in einem Miniunterseeboot, welches unter der Patenschaft des LEGO-Konzerns aus Dänemark geschaffen wurde. Allerdings mag es auch sein, dass ein Teil der Bordelektronik von Playmobil stammt – so genau war das nicht zu erkennen, da der Chefbeleuchter sein altes Stroposkop zum Einsatz brachte. Die Kameraführung hatte man offenbar Michael J. Fox in die Hand gegeben, denn das Bild war so verwackelt, dass es schwer war, die Zahl der anwesenden Personen festzulegen. Die Schätzungen schwankten so zwischen 2 und 32. Es waren tatsächlich nur 2 Hauptdarsteller, doch der „Bordelektroniker“, den man auf die Marke „alterndes, saufendes, runtergekommen-adipöses Genie“ getrimmt hatte, welches man ungern anfasst, aber doch irgendwie lieb hat, hatte ein Hawaii-Hemd in der Größe einer Faltgarage für Reisebusse an. Die Kommandantin des U-Bootes war eine aufgebrezelte Blondine, deren Brüste eher aussahen wie ihre beiden Zwillingsschwestern. Die Gute hatte offenbar einen lukrativen Deal mit einer Silikon-Firma abgeschlossen, welche ihren Oberkörper als Großlager nutzen durfte. Besagte Blondine saß in einem Bikini am Joystick des Unterseebootes und zitierte hin und wieder aus dem „Was ist was“-Buch „Meere dieser Erde“. Sie war also eine Wissenschaftlerin. Aha. Die nächste Kameraeinstellung zeigte das reinigungsbedürftige Aquarium des Regisseurs, in welchem sich ein Octopus und ein Hai in der Größe eines kleinen Supermarktes aus dem ewigen Eis befreiten. Zwischendurch hatte Frau Dr. Riesenmöpse offenbar den „Was ist was“-Band „Fische“ ausgebuddelt und erklärt dem staunenden Publikum, dass es sich bei dem Octopus und dem Hai um urzeitliche Viecher handelt, welche in einem erbitterten Kampf auf Leben und Tod von der hereinbrechenden Eiszeit überrascht und mitten in der schönsten Keilerei eingefroren wurden. Und ich Idiot habe immer gedacht, so eine Eiszeit kündigt sich über mehrere hundert Jahre an. Nein, es muss viel mehr so sein, dass man eine Kälteperiode ein- und ausknipsen kann wie einen Gefrierschrank mit Schockfrost-automatik. Auf jeden Fall hat unser Bikini-Herzchen aus Unkenntnis beide Kampfhähne aufgetaut und nun haben wir den Salat. Sharky und sein vielarmigen Freund haben kein Interesse mehr aneinander, sondern wollen vor dem nächsten Frost lieber ein paar Metropolen der Erde platt machen. Eine ganz schön vergnügungssüchtige Bande, das muss ich schon sagen. Als nächstes finden unsere Wissenschaftlerin und ihr väterlicher Freund an den umliegenden Stränden einige Meeresräuber, welche ihrerseits Opfer unserer beiden Freunde wurden. Die angeschwemmten Tiere hat der 12jährige Sohn der Garderobenfrau aus einer Wagenladung Fimo geknetet und man kann nur hoffen, dass dieses nicht sein einziges Talent ist. Riesentitte schaut betroffen und ergeht sich in düsteren Visionen über den Fortbestand der Menschheit und ihres Schönheitschirurgen, welchen der deutsche Zuschauer allerdings nur sehr begrenzt folgen kann, da die Synchronsprecherin unter einer Leseschwäche leidet, was dem Fluss ihrer Erzählung leichten Abbruch tut. Inzwischen hat der Regisseur bei der Künstleragentur den asiatischen Hausmeister abgeworden, der aufgrund seines Kittels fast ein bißchen wie ein Wissenschaftler aussieht und sich als einziger nicht übergeben mußte, als er die ersten Szenen des Filmes sah. Wir wissen, die Chinesen sind leidensfähig und wer jemals die ersten Godzilla-Filme gesehen hat, der weiß, dass die asiatische Filmkunst bis letzte Woche selbst noch in den Kinderschuhen steckte. Auf jeden Fall hat unser zweiter Hauptdarsteller – wir nennen ihn mal Ling-Fu – mittlerweile an der anderen Seite der Erde ebenfalls das Problem erkannt und nimmt per Videotelefon Kontakt zu unserer „Was ist was“-Leserin auf. Als Labor muss ihm dafür ein Chemiesaal einer ostdeutschen Grundschule reichen, da wir hin und wieder Kinder durchs Bild schleichen sehen und ich der festen Meinung bin, im Hintergrund ein Bild von Erich Honnecker gesehen zu haben. Das macht aber nichts, denn er springt ohnehin in die nächste Linienmaschine, um näher am Geschehen zu sein. In der Zwischenzeit hat sich unsere junge Heldin als extrem tough herausgestellt, da sie in einer Szene Bier aus einer Flasche trinken muss (das symbolisiert die Volksnähe) und wir in einer rührigen Szene erfahren, dass die gar nicht immer das junge erfolgreiche Schlauköpfchen war, sondern auch schon ganz ganz böse Zeiten erlebt hat. Aber das ist nun vorbei und so genießen sie und ihre wissenschaftlicher Ziehvater einen Sonnenuntergang neben einem zerfleischten Wal, was den alten Sack nicht davon abhält, ihren Hintern zu befummeln, den er vorher mit der Walschnauze verwechselt hat. Giant Octopus und Mega Shark haben sich kurzzeitig getrennt, um das Terrain zu sondieren. Der Hai hat allen naturwissenschaftlichen Gesetzen zum Trotz eine Boing 737 im Landeanflug vom Himmel geholt, was sich niemand erklären kann, denn soweit man weiß, gehören Flugzeuge nur in Ausnahmefällen auf den Speiseplan von Meeressäugern. Der grauenhafte Angriff ist optisch natürlich per Computer aufgepeppt worden und hat nun fast die Qualität eines schlechten Sex-Hotline-Werbespots auf „Neun live“. Die Zeit drängt also, denn lange kann man die Flugzeuge der Erde nicht mehr in der Luft halten und Möpschen muss demnächst wieder zum Silikonnachfüllen. Somit stößt die Marine auf unsere Meeres-Wissenschaftler und da kommt er endlich: Lorenzo ist da! Immer noch stark, immer noch männlich, immer noch mit Zopf. Dass sein betont maskulin klingender Synchronsprecher ein wenig lispelt, stört dabei kaum, da alle Anwesenden wissen, dass Lorenzo auch seiner Zunge ein knallhartes Fitneßtraining aufgebürdet hat. Sie wird es noch brauchen. Lorenzo hat die Rolle des kantigen rassistischen Arschloches übernommen, der eigentlich den ganzen Film damit verbringt, Feuerbefehle zu geben, coole Sprüche abzulassen und männlich zu schauen. Denken ist nicht seine Stärke, was dazu führte, dass er bei der US-Marine einen leitenden Posten ergattern konnte. Sollte die Schmonzette am Ende eine gesellschaftskritische Satire von Michael Moore sein? Ich kann diese Möglichkeit nicht ausschließen, jedoch auch keine weiteren Gedanken daran verschwenden, denn auf dem Bildschirm überschlagen sich die Ereignisse. Wir befinden uns dem U-Boot von Lorenzo Schmalzzopf, welches eine erschreckende Ähnlichkeit mit der Schließfachsektion eines deutschen Hauptbahnhofes hat. Dort hineingestellt wurden einige ausrangierte Haushaltsgeräte, so dass der Kommandant nach einem kritischen Blick in eine defekte Waschmaschine verkündet, dass der Mega Shark leider auf dem Echolot nicht mehr zu finden ist. Der Bühnenbildner gehört gevierteilt! Unser Ling-Fu ist zu diesem Zeitpunkt davon abgekommen, weise Konfuziussprüche aus Glückskeksen zu zitieren, untersucht allerdings auch nicht mehr das Phänomen der gigantischen Meereskumpels. Er untersucht dafür lieber andere große Dinge an der US-Wissenschaftlerin, welche dabei auf die grandiose Idee kommt, Sharky und Bernd (so habe ich mittlerweile den Octopus getauft) per Sexlockstoff in die Falle zu locken. Zum ersten Mal in diesem Film habe ich das Gefühl, dass diese Dame über etwas redet, wovon sie etwas versteht. Bernd hat sich mittlerweile auch negativ in Szene gesetzt, denn er hat im Gegensatz seinem scharfzahnigen Kollegen eine Schwäche für Brücken. In einer grandiosen Computeranimation, welche fast an den lachenden Briefkasten mit dem ulkigen Gesicht auf meiner Website herankommt, sieht der geschockte Zuschauer, wie die griechische Fischplatte einen kräftigen Happen aus der Golden Gate Bridge reißt. Lorenzo schaut daraufhin noch ernster und verkündet den Tod von Millionen unschuldiger Menschen (es war wohl Feierabendverkehr auf der Brücke), was er jedoch gleich im Anschluss mit einer rassistischen Bemerkung und einem öligen Lächeln würzt. Man muss ihn einfach gern haben. Die nächsten Szenen stellen die verzweifelte Suche nach dem richtigen Lockstoff dar. Unsere Star-Wissenschaftler haben den Chemiekasten ihres Sohnes geplündert und experimentieren mit allerlei bunten Likören herum, um im nächsten Moment betreten zu schauen, weil die herausgekommene Plörre hellgrün ist, was sich als Farbe für sexuelle Lockstoffe bekanntlich überhaupt nicht eignet. Nach vielen Stunden gespielter Erschöpfung werden die Anwesenden belohnt, indem Ling-Fu in überschwänglicher Laune verkündet, dass man jetzt endlich das Richtige gefunden hat. Er hatte in einem unachtsamen Moment seinen Kaffeebecher mit dem entsprechenden Reagenzglas verwechselt und ist jetzt rattig wie ein asiatischer Schulhausmeister. Gut, das Wundermittel ist wieder hellgrün, aber die Flasche Blue Curacao hat der letzte verbliebene Geldgeber in stiller Verzweiflung weggeknallt. Somit teilen sich die Helden nun auf, um in 2 Unterseebooten die Erde abzusuchen – das geht dann ein bißchen schneller. Lorenzo macht wieder irgendeine sexistische Bemerkung und wird von unserer Biertrinkenden patriotischen Blondine mit einem erwartet schlechten Spruch in die Schranken gewiesen. Kein Wunder, dass er schwul geworden ist. Szenenwechsel: wir sind auf dem japanischen U-Boot, welches von drinnen aussieht wie ein – wer hätte das gedacht – Schließfachbereich eines Bahnhofes. Der Kommandant ist ein altgedienter japanischer Haudegen mit einem beeindruckenden bayrischen Akzent, aber jeder Anwesende weiß, nur mit ihm und seiner Schließfachsektion ist ein nachhaltiger Erfolg zu erzielen. Der Asiate ist generell viel disziplinierter als der Ami, was wir darin sehen, dass es bei den amerikanischen Schließfächern eine kleine Revolte gibt. Der Steuermann, der bereits vorher durch seine weinerliche Stimme negativ aufgefallen ist, verliert die Nerven. Er erhebt sich von seinem Bürostuhl, schaut auch nicht mehr in die umgebaute Mikrowelle, in welcher Entfernung sich Bernd herumtreibt, sondern bedroht die übrigen mit einer aus einem Stück Seife gefertigten Handfeuerwaffe. Da er aber sehr nervös ist, rutscht ihm das Reinigungsmittel aus der Hand und Lorenzo schickt ihm mit einem gekonnten Schwinger seines Zopfes in das Reich der Träume. Trauriges Bild, wenn der Zuschauer einsehen muss, dass auch die Helden auf der Leinwand nur Menschen sind. Ich bin zu diesem Zeitpunkt kurz davor, Sharky oder Bernd anzurufen und ihnen den Standort beider Schiffe zu verraten, damit dieses Drama endlich ein Ende nimmt. Tut mir ja leid für Lorenzo Lamas, aber er hätte wissen müssen, wann man abtritt. Meine Freundin erlebt einen Lachflash nach dem nächsten und ich mache mir Sorgen, ob sie nicht vielleicht ernsthaft Schaden nehmen könnte. Spätestens wenn sie mir nach dem Film eröffnet, dass die Meeresbiologie studieren möchte, dann werde ich sie zur Computertomographie schleppen. Solange kann ich noch vor dem Fernseher warten. Da der Film sich dem Ende neigt und Regisseur und Produzent gemeinschaftlichen Suizid begangen haben, wird es Zeit für den Showdown. Wir werden nicht enttäuscht. In einer dramatischen Aktion habe die Schiffe Mega Shark und Giant Bernd eingekreist und festgestellt, dass alle Atomsprengköpfe sie nicht einmal kitzeln. Nun gilt es die atomar verseuchte Erde anders zu retten. Blondi klettert wieder in ihr kleines U-Boot vom Anfang und kippt den Lockstoff in die See, was dazu führt, dass alle bösen Tiere völlig durchdrehen und sich gegenseitig in einer unglaublichen Seeschlacht umbringen. Als schließlich das aufblasbare Hai-Double, welches man für 7000 Payback-Punkte bei ARAL erwerben kann, geplatzt ist, ist auch der Octopus so geschwächt, dass er bei dem Anblick von Lorenzos maskulinem Kinn aufgibt und sich wieder einfrieren läßt. Ja, gegen Lorenzos Stahl-Blick ist noch kein Kraut gewachsen. Endlich hat unser dvd-Player ein Einsehen und zerkratzt von sich aus die dvd. Ich werde ihn in meinem Testament bedenken. Mit dem Film ist Schluss und ich stehe kurz vor dem geistigen Kollaps.
Früher wollte ich immer Schauspieler werden, doch das war zu der Zeit, als Lorenzo Lamas noch kein Rassist war.
P.S. Also, liebe Leser, Sie können nicht sagen, dass ich sie nicht gewarnt habe, wenn Sie nun losstürzen, um sich diesen „Film“ auszuleihen. Ganz Vorsichtige können auch nur die Kundenrezensionen auf „Amazon“ lesen – sehr empfehlenswert!
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Im Grab der Namensopfer
Seit ich einen kleinen Neffen in der Familie habe, muss ich gestehen, liebe Leser, hat sich bei mir einiges geändert. Ich neige dazu, in fremde Kinderwagen zu schauen und kann mich nur schwer bremsen, den kleinen Erdenbürger mit einem „Duziduzi“ zu bedenken. Das kannte ich bisher nur von mir, sobald ein Hund in meine Nähe kam und so konnten die teilweise entsetzt schauenden Besitzer nur knapp verhindern, dass der kleine süße Rottweiler beim Knuddeln meinen Arm zerfleischte. Das ich in dieser Beziehung relativ angstfrei bin liegt vielleicht daran, dass ich Tiere und ganz besonders Hunde sehr gern habe und mit sämtlichen Vierbeinern aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis einen innigen und herzlichen Kontakt pflege - so z.B. mit einem Rottweiler namens „Lotharchen“, welcher meinem Freund Schrammi gehört. Lotharchen ist wirklich sehr süß und überaus schmusig. Außerdem liebt Lotharchen Schaumzuckererdbeeren und ist durchaus in der Lage, eine Steinmauer zu durchbrechen, wenn er dahinter ein Leckerli vermutet. Nun werden Sie sagen, „Lotharchen“ ist vielleicht nicht der passende Name für diese Mischung aus Kalb, Müllschlucker und Abrissbirne, aber seien wir doch mal ehrlich: Namen wie „Wotan“, „Thor“ und „Joker“ sind total ausgelutscht und klingen auch immer irgendwie nach NPD-Wähler, oder? Und wer will das schon? Außerdem habe ich noch nie ein Tier erlebt, welches mit seinem Namen nicht zufrieden war. Bei Menschen ist das anders. Zunächst einmal wird ein Mensch im Optimalfall älter als ein Haustier und zweitens habe ich auch noch nie gehört, dass einem vierbeinigen Hausgenossen sein Name zum Nachteil wurde. Vor meinem geistigen Auge taucht gerade eine Hundemeute auf, welche sich in einem unbeobachteten Moment zusammensetzt und den großen Schäferhund mobbt, den sein Frauchen auf den Namen „Schnucki“ getauft hat. Nun, ich will nicht sagen, dass es das nicht geben könnte, aber es scheint doch recht unwahrscheinlich. Bei Kindern ist das – wie gesagt – anders. Da in unserem schönen Land alle möglichen Menschen Kinder in die Welt setzen dürfen und dieses Recht leider gleich dutzendweise auskosten, tauchen immer mehr Namenskrüppel auf, deren Existenz schon vom Tag ihrer Namensgebung an zu einer Tortur wurde. Andererseits sind Namen etwas sehr Intimes, so dass ich nach einigen unschönen Erlebnissen davon Abstand genommen habe, werdende Eltern nach dem Namen ihres Kindes in spee zu fragen und diesen dann auch noch zu kommentieren. So passierte es, dass ich mich bei der Schwester eines Freundes zu folgender Aussage hinreißen ließ: „Na, Hauptsache, Du nennst das Gör nicht „Kevin“. So heißen nur Alkoholiker-Blagen aus den Neunzigern.“. Die merkwürdigen Blicke ersparten mir den Blick in die Geburtsanzeige und unser Verhältnis ist seitdem ein bißchen frostig. Eine sehr liebe Arbeitkollegin von mir hat von 1996 bis 1998 kein Wort mit mir gesprochen, da ich, nachdem ich mich nach ihrem Namen erkundigt hatte, mich sagen hörte: „Grit? Grit ist doch kein Name. Grit ist ein Geräusch; und zwar das Geräusch, dass ein Ei macht, wenn man es auf dem Pfannenrand zerschlägt.“.Nach heutigen Maßstäben gebe ich zu, war das vielleicht ein kleines bißchen zu unsensibel (auch wenn es stimmt!). Ein Grund dafür, dass ich noch keine Kinder habe, ist der, dass ich mich davor fürchte, dem Nachwuchs einen Namen zu geben, den er vielleicht ganz furchtbar findet und ich als Dank dafür irgendwann doch in dem billigen Pflegeheim lande. Andererseits habe ich eine diebische Freude daran, Namen zu sammeln und in kleinem geschützten Rahmen zu kommentieren. So fand ich vor einigen Tagen eine Liebesanzeige in der lokalen Presse, in der eine Frau ihrem Ehemann für 10 wunderbare Jahre dankt. Das allein ist auf jeden Fall sehr romantisch und sehr zur Nachahmung empfohlen. Leider jedoch fühlte sich die glückliche Ehefrau genötigt, der Welt mitzuteilen, dass das gemeinsame Glück noch durch die beiden wunderbaren Kinder komplettiert wird, welche auf die Namen Justin Dean Tyler und Kyara Zoe Summer hören. Es bleibt abzuwarten, ob die Kinder von dieser Verbindung und ihrer Existenz ebenso begeistert sind. Von einer ehemaligen Schulkameradin weiß ich, dass ihr Name Monique Jaqueline Warmbier der Grund dafür war, dass sie mit 18 Jahren heiratete, um zumindest diesen albernen Nachnamen los zu werden. Die Qualität dieser Verbindung ließ ein bißchen zu wünschen übrig, wie sie später im Frauenhaus feststellte. Vor einiger Zeit besuchte ich meinen alten Freund Rainer Koslowski, der soweit ich weiß, mit seinem Namen recht zufrieden ist. Kaum saß ich auf der Couch, als seine Ehefrau Doreen (raten Sie mal, wo die herkommt!) und er mir mit glänzenden Augen offenbarten, dass sie trotz eines funktionierenden blueray-Recorders erfolgreich Nachwuchs produziert hätten. Sofort setzte ich mein „Hurra!“-Gesicht auf und spielte 30 Minuten lang Begeisterung. Doreen ist sehr lieb und man kann sie – bis auf ihren Leipziger Dialekt – wirklich gut um sich haben. Einige Dinge gibt es allerdings, welche ich – na, sagen wir mal etwas mühsam an ihr finde. Zum einen produziert die liebe Doreen mit wachsender Begeisterung hunderte von „window colour“-Bildern, welche sie dann gern ungefragt auf die Autoscheiben ihrer Opfer pappt. Ich hasse „window colour“. Ich weiß nicht, wer es erfunden hat, aber er scheint es sich zum Ziel gemacht zu haben, die Verdummung der Gesellschaft voran zu treiben. So fand ich eines Tages nach einem Besuch bei Koslowskis eine „window colour“-Diddl-Maus auf der Seitenscheibe meines Wagens vor, welche ohne Verzögerung zu massivem Unwohlsein meinerseits führte. Diddl-Mäuse sind schon schlimm, aber das Ganze noch mit „window colour“-Technik? Das ist wie Erhängen mit Stacheldraht. Ich erwog kurz, die Verursacherin bei der Polizei wegen Sachbeschädigung anzuzeigen, besann mich dann jedoch eines besseren, schlug die entsprechende Scheibe ein und ging dann zur Exekutive. Nun sollte meine kleine „window colour“-Diddl-Maus-Freundin also Nachwuchs auf den Planeten werfen? Na, dann gute Nacht. Obwohl ich nicht gefragt hatte, wurden mir sogar die näheren Umstände der Zeugung dargebracht. Man hatte gerade mal wieder „Der mit dem Wolf tanzt“ geschaut (Doreens Lieblingsfilm) und sich dann unter dem indianischen Traumfänger an die Produktion des Nachwuchses gemacht. Somit, erklärte mir die werdende Mutter, sei schon etwas Indianisches in dem kleinen Bengel drin. Ja, sicher. Sämtliche Spermien und Eizellen werden sich zu Beginn des Filmes gemütlich hinter der Netzhaut meiner Freunde platziert haben, kleine Popcorn-Tüten auf dem Schoß, um sich gemeinsam den Costner-Schmachtstreifen reinzuziehen. Nachdem das Licht wieder angegangen war, haben sich die kleinen Spermien noch kleinere Federn an ihre kleinen Köpfe gesteckt, um schließlich einer Meinung zu sein, dass, sollten sie heute auf die Squaw-Eizellen treffen, man von der Produktion eines Mitteleuropäers absehen und lieber einen kleinen Schwarzfuß-Indianer basteln wird. Ja, sicher – so wird es gewesen sein. Wie auch sonst? Sollte ich also irgendwann den Wunsch verspüren, ein schwarzes Kind zu zeugen, dann werden meiner Freundin und ich uns einfach einige Basketballspiele aus den USA anschauen und schon läuft die Sache. Natürlich mußten mir die Koslowskis auch die gewiefte und wohl durchdachte Namenskombination für die kleine Rothaut verraten. Als Rufnamen entschieden wir uns für „Marvin“ (Überraschung!) und als Zweitname war „Günther“ geplant – so heißt Doreens Vater und dieser wäre tottraurig, wenn dieser Name mit ihm gemeinsam zu Grabe getragen würde. Allerdings heißen Indianer grundsätzlich nicht „Günther“, so dass noch ein dritter Name her mußte: „Eagleeye“. „Eagleeye“ wiederholte ich ungläubig und wartet darauf, dass irgendjemand „April, April!“ sagte. Allerdings wartete ich vergebens und aufgrund des Schocks gab mein Großhirn für kurze Zeit seinen Dienst auf. Daher kam ich nicht darauf, dass es sich bei diesem Namen um das englische Wort „Adlerauge“ handelte und dachte eher an den maskulinen kleinen stacheligen Sympathieträger, welchen man im Winter manchmal in den Komposthaufen findet. Wie in Trance stellte ich die entscheidende Frage: „Igelei? Welches denn? Das rechte oder das linke?“. Diese Frage wurde hormonell bedingt als Scherz abgetan und irgendwann erkannte ich, dass dieser schlechte Witz keiner war. „Wer soll denn der Patenonkel von Marvin Günther Eagleeye Koslowski werden?“, wollte ich schließlich wissen, „ Sitting Bull?“. Auch diese Bemerkung wurde mit gebührendem Gelächter zerstört, während ich vor meinem geistigen Auge den Lebensfilm dieses kleinen bedauernswerten Geschöpfes abspulen konnte. Marvin Günther Eagleeye Koslowski wird bereits im Kindergarten von allen Anwesenden verlacht und gedemütigt, bevor er seine Schullaufbahn nach der 6. Klasse beendet, da er das ewige Gelächter nicht mehr aushalten kann. An den Rand der Gesellschaft gedrängt wird er den Drogen verfallen, gewalttätig werden und im Rahmen der Beschaffungskriminalität ein sehr unschönes Ende in einer unschönen Seitenstraße mit einer unschönen Pistolenkugel in seinem Eagleeye nehmen – und das alles noch vor der Konfirmation! Allerdings klingt das schon ein bißchen wie der durchschnittliche Lebenslauf eines Indianers, oder? Also, wenn man es von der Seite betrachtet... Aber wer nun glaubt, es ginge nicht noch schlimmer, der irrt. Eine sehr weitläufige Bekannte von mir erwartete ihr 6. Kind vom 9. Mann und hatte sich als Namen für den Kleinen „Delaine Lorell“ ausgedacht, was einen sehr reizvollen Kontrast zu dem Nachnamen „Stegelmann“ darstellt. Es werden noch Wetten angenommen, in welchem Alter der kleine Pupser seinen eigenen Namen aussprechen kann. Ich habe 10 Euro auf 12 Jahre gesetzt und weiß, ich bin in diesem Punkt sehr optimistisch. Seine Omi nennt den Scheißer in Unkenntnis der englischen Sprache „Diele Loréal“. Auch hübsch. Nun will ich nicht sagen, dass mein eigener Name die Krönung der sprachlichen Schöpfung ist; allerdings klingt dieser nicht nach einem Waschmittel, einer Automarke oder nach längst ausgestorbenen unterdrückten Ureinwohnern. Auch muss ich nicht als lebender Grabstein für irgendwelche ebenso längst ausgestorbenen Idole meiner Eltern herhalten wie die Tochter einer Kollegin von mir, welche nun den Rest ihres Lebens mit dem für Legastheniker geeigneten Namen „Aahlyiaah“ oder so durch die Welt laufen darf, nur weil die liebe Mutti gern das Geträller einer anderen Aahlyiaah hörte, bis diese ihr Flugzeug ein bißchen ruppig an einem Berghang parkte. Was kann denn das arme Kind dafür? In diesem Fall habe ich wirklich Glück gehabt, denn sonst hieße ich heute wahrscheinlich „Heintje“ oder „Jürgen Marcus“. Was waren das doch für schöne Zeiten damals, als es in meiner Schulklasse nur so wimmelte von Marcs, Thomassen und Susannes. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde dann einer ganzen Generation von männlichen Babys der Zugang in die berufliche Chefetage verwehrt, da Mutti vorher den süßen Macauley Culkin in der „Kevin“-Triologie gesehen hat und wenn der eigene Nachwuchs schon nicht aussieht wie der kleine Culkin, dann soll wenigstens der Name passen. Sie dürfen mal Überlegungen anstellen, warum der kleine Kevin nach diesen Filmen einen rasanten Abstieg in Drogen und Alkohol erlebte und heute gar nicht mehr so süß und knuddelig aussieht. Was blieb ihm auch anderes übrig? Mit der Jahrtausendwende besann man sich wieder auf alte Werte und so sprangen Namen wie „Lukas“, „Hans“, „Elisabeth“, „Adolf“, „Eva“ und „Heinrich“ aus den Geburtsanzeigen, während die heutigen Eltern offenbar bestrebt sind, ihre Kinder nach Dingen zu benennen oder wie erklären sich Namensschöpfungen wie „Wolke“, „Alpha“, „Windsbraut“ und „Blue“? Also, Ihr Pumuckels, Ihr Cheyennes, Ihr Kevins und Ihr Summers da draußen: verliert nicht die Hoffnung! Versucht, Euer Leben so gut wie möglich über die Bühne zu bringen: laßt nur Euren Nachnamen in das Telefonbuch eintragen, legt Euch einen Künstlernamen zu und freut Euch darauf, später einmal viel Geld zu sparen. Dann dürfen Mutti und Papi in dem billigen Pflegeheim darüber nachdenken, ob „Klaus-Dieter“ nicht doch besser gewesen wäre.
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Obscure II
Es ist, liebe Leser, noch gar nicht so lange her, dass ich im 21. Jahrhundert angekommen bin – zumindest technisch gesehen. Auch ich besitze mittlerweile ein Mobiltelefon und habe mich sogar durch das Rechtschreibprogramm gefuchst, so dass meine sms nicht länger aussehen wie alte ägyptische Grabinschriften, zu deren Entschlüsselung 3-4 Generationen von Archäologen ihre Lebenszeit opfern müssen. Ich weiß, wie man bei Ebay anonym irgendwelchen Schweinkram bestellt, warum mein Computer mir haushoch überlegen ist und mich deshalb doof findet und ich bin seit Neuestem sogar in der Lage, einen Parkautomaten zu bedienen und somit meinen Wagen aus der erbarmungslosen Umklammerung eines technisch hochgerüsteten Parkareals zu befreien. Dies alles ist zweifellos sehr beeindruckend, auch wenn ich weiß, dass eine geschätzte Leserschaft schon lange keinen Gedanken mehr an die Lösung dieser Probleme verschwenden muß.
Den Löwenanteil dieser Entwicklung trägt natürlich meine Freundin, welche mich behutsam an die technischen Geheimnisse dieses Planeten heranführt, systematisch meine Unwissenheit und Angst dem Erdboden gleich macht und mich nach jedem noch so kleinen Erfolg lobt. Zweifellos steigern wir uns langsam und in naher Zukunft könnte es sogar passieren, dass ich irgendwann einen Videorekorder programmieren kann. Erzählen Sie mir jetzt bitte nicht, dass diese Technologie völlig veraltet ist. Solche Kleinigkeiten dürfen mich in meiner Entwicklung nicht stören.
Vor einiger Zeit tauchte in meinem Leben zum ersten Mal das Wort „Playstation“ auf. Sie als meine geschätzte Leserschaft wissen natürlich, was eine Playstation ist. Ich wußte es nicht, bis mir der minderjährige Nachwuchs eines Freundes ein Microfon unter die Nase hielt und mich aufforderte, „Singstar“ zu spielen. Nun, ich kann mit Recht behaupten, dass ich einige Dinge in dieser Welt, welche nicht ganz unwichtig sind, recht hübsch kann. Singen gehört jedoch nicht dazu. Meinen kurzen Widerstand gab ich jedoch auf, als die kleinen Steuerermäßigungen im höchsten Diskant brüllten und versuchte mich an „Die perfekte Welle“ von der Gruppe „Oktobermond“ oder „Silberjuli“ oder wie die neu-deutschen Bands der Menstruationslyrik eben so heißen. Die Folge waren ebenso heftig wie final: im gesamten Haus mußten neuen Scheiben eingesetzt werden. Soweit meine bisherigen Erfahrungen mit dem Thema „Playstation“. Alles änderte sich jedoch, als meine bessere Hälfte, welche zur Entspannung gern mal Horror- und Splatterfilme schaut (ich hocke dann erfahrungsgemäß mit versteinerter Miene daneben und grabe meine Hände durch den Sofabezug bis in die Sprungfedern) mir vorschlug, man könne doch – zur Aufwertung unserer mageren Freizeit – eine gebrauchte PS 2 erwerben. Da gäbe es auch sehr kurzweilige und entspannende Spiele, welche wirklich Spaß machen. Ich hätte es wissen müssen. Was versteht schon jemand unter Spaß, der es entspannend findet, wenn einer jungen Frau im Film die Eingeweide mit einem rostigen Presslufthammer verwurschtelt werden?
Natürlich war mir dieser berechtigte Einwand nicht bewußt, so dass ich leichtsinnigerweise zustimmte. Kurze Zeit später betraten wir den Laden unseres lieben Freundes Heinz-Achmed. Heinz-Achmed heißt nicht wirklich Heinz-Achmed. Seinen richtigen Namen kennen wir nicht. Er stammt aus irgendeinem ehemaligen Ostblock-Staat, welcher sich sooft umbenannt hat und sich sooft verbündet und als unabhängig erklärt hat, dass Heinz-Achmed selbst nicht mehr weiß, woher er kommt. Irgendwann stand mal das Wort „Kroatien“ im Raum, aber so genau wollte man sich da nicht festlegen. Jetzt lebt Heinz-Achmed in meiner Heimatstadt und ist stolzer Besitzer eines Geschäfts für gebrauchte Artikel aller Art. Sein Verkaufsraum ist eine reizvolle Mischung aus begehbarer Sondermülldeponie und afrikanischem Zolllager. Verschiedenste Elektroartikel aus allen Epochen warten ebenso wie Musikinsturmente, großzügig illuminierte Marienschreine und osteuropäische Jahrmarktskunst auf neue Besitzer. Nebenbei hoffen natürlich mehr oder weniger gelungene Fälschungen aus dem Schmuck- und Uhrenbereich, sowie gebrauchte Erotikartikel und natürlich Mobiltelefone darauf, erworben zu werden. Was unser osteuropäischer Freund noch alles unter dem Ladentisch vervorzuziehen vermag, wenn man ihn nur danach fragt, wage ich gar nicht zu bedenken. Sollten Sie, liebe Leser, irgendwann mal eine gut erhaltene Panzerfaust suchen, so sprechen Sie mich einfach an – ich wüßte schon, wen ich fragen müßte. Natürlich hatte Heinz-Achmed das Gewünschte parat. Mit einem sicheren Handgriff zauberte er eine gebrauchte aber noch recht ansehnliche „Playstation 2“ hervor und versicherte uns natürlich, dass er nur einwandfreie Ware verkaufe, an welcher er natürlich nichts verdiene. Er ist eigentlich viel zu gut für diese Welt, der Heinz. Aber er mag uns halt ganz besonders gern und deshalb bekommen wir - und nur wir! – stets einen absoluten Supersonderpreis. Nach einem kurzen technischen Check stellten wir beruhigt fest, dass von dem Gerät zumindest momentan keine Explosionsgefahr ausgeht und erwarben es kurzerhand zu bereits erwähntem Supersonderpreis. Als Zugabe erhielten wir das topaktuelle Spiel „Obscure II“, welches neben einem literarischen Anspruch auch Entspannung, Spaß und natürlich einen unverzichtbaren Lerneffekt garantiert. Die Handlung ist kurz erzählt: es handelt sich um ein Studentenwohnheim in den USA, in welchem die Hauptakteure leben. Ob sie dort auch irgendwas studieren, erfahren wir nicht. Die etwas wächsern wirkenden Helden informieren den Spieler zu Beginn, dass in diesem Wohnheim (wie in jedem anderen auf der Welt) auch gern und viel gefeiert wird und man neben den üblichen legalen Drogen auch gern auf eine besondere Blume zurückgreift, welche durch einfaches Inhalieren der Sporen einen abwechslungsreichen Abend verspricht. Alles startet also harmlos, unsere jungen Freunde saufen und schnupfen sich durch den Freitag Abend, bis schließlich einer der Akteure mit schwerem Kopf in absoluter Dunkelheit in der Nähe eines Friedhofes erwacht und sich berechtigterweise wundert, warum er draußen im Dreck liegt und nicht mit den anderen weitere Drogen ausprobiert. Zufällig findet Stan (so heißt unsere junger Freund) zunächst einen Baseballschläger (die liegen in den USA ja quasi überall herum) und dann seine morbid wirkende Freundin Shannon, welche 2 Gräber weiter ihren Rausch ausschläft. Beide tun dann das einzig Logische und betreten den Friedhof, wo sie auf ein Monster treffen (halb Blume halb Student), welches ein junges Mädchen verschleppt. Das mag für amerikanische Verhältnisse nicht ungewöhnlich erscheinen, aber unseren Akteuren dämmert es allmählich, dass der Abend vielleicht ein bißchen aus dem Ruder läuft. Dieser Eindruck verstärkt sich, als sie zu dem Studentenwohnheim zurückkehren, wo sie neben einigen Litern Blut auch zahlreiche zerfleischte und verstümmelte Kommilitonen erwarten, welche sich über die Finanzierung des nächsten Semesters keine Sorgen mehr machen müssen. Stan kommentiert den Fund mit einer coolen Bemerkung und erweist sich als Sportler, da er nun mal eben an der Fassade hochklettert, um Shannon von drinnen die Tür zu öffnen. Shannon hätte zwar auch die Diebstahlssicherung der Eingangstür knacken können, aber das gehört nicht zu ihren Stärken, wie wir später noch sehen werden. Beide durchqueren nun das relativ zerstörte Wohnheim vorbei an Leichen, Blumen und Monstern aller Art. Als kleinen Gimmick finden sie zwischendurch alles Mögliche an Waffen, Munition (Sie sehen, liebe Leser, wir sind tatsächlich in den USA) und Hilfsmitteln in Form von kleinen Verbandskästen, Schlüsseln und Energydrinks. Diese erhalten wir, wenn wir die überall aufgestellten Getränkeautomaten einschlagen. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass man mit einem Redbull auch mal eine gerissene Leber und einen massiven Blutverlust ausgleichen kann. Mittlerweile, liebe Leser, hat auch der letzte Kunstgeschichte-Student kapiert, was dort abgeht: die Blumen, welche unseren Freunden so gute Dienste geleistet haben, haben sich selbständig gemacht und ich spreche hier nicht von Oma Lieschen´s Stiefmütterchen, die nach etwas Wasser und aufmunternden Worten dürsten. Nein, diese Blümelein wollen Blut – Studentenblut! Gerade als das Spiel langweilig zu werden droht, tauchen weitere Akteure auf: Brian (der Ex-Knacki, der jede Tür öffnen kann), Gary (sein hirnschwacher aber dafür sehr kräftiger Bruder), irgendein Professor (welcher uns hin und wieder an seinen großartigen wenn auch zusammenhanglosen Gedanken teilhaben läßt), Shannon (die mit der dunklen Aura), Ashley ( so eine Art weiblicher McGyver, welche jeden Rechner und jede Sicherung knacken kann) und natürlich die attraktive Lea (die gar nichts kann, aber hübsch aussieht). Lea ist verantwortlich für Kreischen, hilflos in der Ecke stehen und panische Gesichtsausdrücke. Aber auch die Monster-Seite rüstet natürlich auf: so gibt es liebevoll unbeholfene Kopien des Alien, spinnenartige Krabben von der Größe eines Cocker Spaniels, dicke schleimige Verwandte von Jabba Bings und die bereits erwähnten Blumenkreaturen. Unsere Helden kämpfen sich also durch verschiedene Spielstätten, Lea kreischt sich durch die Levels, Shannon zersägt die Killerblumen am liebsten mit einer Motorsäge, welche sie im Krankenhaus gefunden hat und Stan erklimmt tapfer jede noch so glatte Fassade. Leider vergißt Brian, hin und wieder einen Energydrink zu sich zu nehmen und wird schließlich von einer haushohen Gladiole gefressen. Irgendwann beginnt Lea, uns auf den Sack zu gehen. Das tut sie allerdings nicht lange, da sie im Bergwerk unter lautem Kreischen von einem genmanipulierten Cocker Spaniel in 2 Teile gerissen wird. Auch Shannon geht es nicht besser: ihrer Motorsäge geht im Garten der alten Villa der Saft aus, so dass sie von ihrem mutierten Mathematik-Professor ausgesaugt wird – vielleicht war der auch gar nicht mutiert (wie Mathematiker eben so sind). Bleiben also noch Stan und Ashley. Zwischendurch trifft der komische Professor seinen Meister in Form von Jabba Bings. Der erwartet ihn im Gewächshaus und erwürgt den Prof mit einer besonders kräftigen Knospe. Das stört den Betrachter jedoch nicht besonders, da der Professor ohnehin nichts konnte und nur Verbandspäckchen verbraten hat. Gut, dass der weg ist! Da kann man mal wieder sehen, dass Intellektuelle in der Praxis häufig völlig hilflos sind. Stan schlägt sich immer noch ganz gut , doch nach der 8. Fassade geht ihm allmählich die Kraft aus. Eine Turbine im alten Wasserkraftwerk, welche Shannon im Vorbeigehen mal eben wieder in Betrieb gesetzt hat, reißt ihm beim Passieren die Rübe runter, so dass er im Interesse aller Verbliebenen keine Energydrinks mehr verbraucht. Hätte er eben öfter mal die Treppe benutzt! Ashley macht sich immer noch recht gut, ist sie doch sehr versiert im Umgang mit Kettensäge, Armbrust, Elektroschocker und Leuchtpistole. Wahrscheinlich kommt sie aus Texas, wo einem alle bekannten Arten von Waffen ja schon in die Wiege gelegt werden. Leider geht ihre Tatkraft ein bißchen auf Kosten ihrer mentalen Fähigkeiten, so dass sie schließlich beim Bilderrätsel im Haus des mißgestalteten Klavierlehrers an ihre Grenzen stößt und somit von seinem Notenständer, welcher sich als Mutant herausstellt, in kleine handliche Würfel gehackt wird. So, jetzt haben wir den Salat: unsere Helden haben kläglich versagt und die Zivilisation wird von Blumen, Cocker Spaniels und mutierten Haushaltsgegenständen überrannt. Mir ist das zu diesem Zeitpunkt schon völlig egal. Es ist vier Uhr früh, meine Daumengelenke sind entzündet, ich bin naßgeschwitzt und so übermüdet, dass ich den Tod unserer letzten 3 Akteure kommentarlos hingenommen habe. Ich wanke Richtung Badezimmer, um noch einmal pinkeln zu gehen, bevor die Blumen und Aliens die Tür aufbrechen. Ich stolpere zwischen übervollen Aschenbechern und überleeren Bierdosen durch das Schlachtfeld, bis vor mir das süße wenn auch abgekämpfte Antlitz meiner Herzallerliebsten auftaucht, welche mich mit glänzenden Augen anschaut und die florale Hölle der letzten Stunden mit der Frage „Das war doch cool, oder?“ kommentiert. Ich kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sprechen, mein räumliches Sehen habe ich in Level 34 eingebüßt und schaukele wie ein Zombie in Richtung Bett. Schließlich hat sich der Sturm in meinem Großhirn gelegt und ich bekomme das Zittern in meiner linken Hand in den Griff, bevor ich im Traum in einer „Blume 2000“-Filiale den Großangriff einer übermächtigen Primelarmee zurückschlage.
Wo ist nur das gute alte „Tetris“ geblieben?
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Ich verdufte
Ich, liebe Leser, stinke. Das ist zwar ein recht hartes Urteil, entspricht jedoch in weiten Teilen des Tages der Wahrheit. Besonders morgens nach dem Aufstehen habe ich einen Geschmack im Mund, als sei letzte Nacht irgendetwas in meinen Mund gekrochen und dort verendet. Irgendetwas Pelziges. Und wenn ich dann in das süße Antlitz meiner Trautholdesten blicke, dann weiß ich, ich rieche auch außerhalb meines Mundes nicht viel besser. Sie versucht, ihren Ekel und ihre Abscheu zwar zu verbergen (schließlich liebt sie mich ja), aber ich merke es trotzdem an ganz kleinen Zeichen: z. B. wechselt ihre Gesichtsfarbe in ein Nato-grün bis zart-mauve, ihre Augen tränen und ihre Wimpern fallen aus; aber das macht nichts – die wachsen über Tag wieder nach. Nun könnte man meinen, ich verzweifle ob dieser Tatsache, aber das stimmt nicht, denn schließlich gibt es Trost für mich: alle Männer stinken morgens. Dies ist eines der großen Mysterien Männlein und Weiblein betreffend. Männer stinken morgens nach einer tödlichen Mischung aus Pups, nassem Chow-Chow und altem Opa, dass es einem die Nasenscheidewand weg haut. Und Frauen? Frauen duften morgens nach weichem Bett, nach Kuscheln, nach Wärme – kurzum: einfach süß und gut. Wenn mein kleiner Engel morgens mit zerknautschten Haaren und ebensolchem Gesicht neben mir wach wird, dann gibt es für mich nichts Schöneres als an ihr zu riechen. Umgekehrt kann man davor nur warnen. Wer morgens an Männern riecht, der lacht über Vietnam.
Natürlich lässt man uns mit unserem Elend nicht allein, denn wir leben schließlich nicht in irgendeiner Bananenrepublik, sondern in einem hoch technisierten Land irgendwo an der Spitze des Universums. Das bedeutet, es gibt Hilfe für die Einsamen: Douglas. Douglas ist eine weltweit operierende sektenartig aufgebaute Parfümeriekette. Warum sektenartig? Nun, haben Sie mal die Verkäuferinnen dort betrachtet? Alle scheinen irgendwie von ein und demselben Klon abzustammen; quasi Dolly, das Verkaufsschaf mit der 20 cm dicken Schminkschicht auf den Wangen. Den Douglas-Klon gibt es in 2 Ausführungen. Einmal in der Senioren-Version: Alter ca. 35-60 (genauer lässt sich das bei der aufgetragenen Kriegsbemalung nicht schätzen), gebärfreudiges Becken, dafür aber nur 150 cm groß (davon sind dann allerdings noch 15 cm Absatz), verspielt-kitschige Designer-Brille und die grell gefärbten Haare zu einer Frisur zusammen gekleistert, welche entfernt an eine Momentaufnahme einer Gerölllawine oder einen explodierten Pudel erinnert. Juniorversion: Alter ca. 8-34 (s. o.), die dunklen Haare so streng zu einem Zopf geflochten, dass der Bauchnabel als Grübchen auf dem Kinn erscheint, schlank und Marke „Ich wäre lieber Flugbegleiterin geworden, aber vom Fliegen muss ich kotzen.“. Hin und wieder gibt es da noch den androgyn wirkenden Jüngling, der jede Kundin mit einem lauten Kreischen begrüßt und in seiner Freizeit eine Menstruation vortäuscht. Der ist jedoch seltener.
Aber zurück zu uns Stinkern. Wir betreten das douglassche Klonlabor auf der Suche nach Hilfe. Sofort spurtet eine Verkaufsbeauftragte auf uns zu und sprüht uns mit den Worten „Kennen sie schon den neuen Duft von Lagerfeld?“ einen halben Liter in die Augen, die Atemwege, in alle Körperöffnungen und Schleimhäute. Wir beginnen zu taumeln, während wir überrascht zur Kenntnis nehmen, dass Lagerfeld jetzt auch in die Sicherheitsbranche eingestiegen ist und Pfefferspray verkauft. Sobald sich unsere verklebten aber gut duftenden Lungenbläschen erholt haben, keuchen wir „ Nett. Wirklich nett. Haben sie dafür auch das Gegengift?“ und suchen uns einen Platz zum Festhalten.
Natürlich ist es wichtig, mit einem möglichst individuellen Duft ihre eigene Individualität gepaart mit einem soliden Understatement an den Tag zu legen. Wenn Sie also wie die gesamte deutsche Verteidigung duften möchten, dann nehmen Sie ruhig Lagerfeld Photo oder Boss oder so was. Ansonsten suchen Sie sich etwas völlig Unbekanntes aus, wie das neue „elephant pee“ des jungen angolanischen Designers Mbele Bombo oder so. Das riecht dann zwar vielleicht wie alter Pekinese von hinten aber immerhin bleiben Sie im Gedächtnis.
Neulich waren meine Herzallerliebste und ich in einer Filiale von Verona Pooths Klamottendiscount und ich war nicht wenig überrascht, als ich an der Kasse auf die mehr oder weniger gelungenen Imitate anspruchsvoller Herren- und Damendüfte in teilweise beeindruckend wuchtigen Flakons traf. Besonders beeindruckt hat mich der Herrenduft „Battlefield“. Nun, ich bin gewiß kein Marketing-Fachmann und werde mich hüten, die neueste Namensschöpfung des italienischen Stardesigners Enzo Potenzo in den Dreck zu ziehen, aber stehe ich allein mit meiner Meinung, das der Name „Schlachtfeld“ vielleicht ein ganz kleines bisschen unglücklich gewählt ist? Vor meinem geistigen Auge erscheint „Battlefield“ in einer Fernsehwerbung, in welcher sich ein junger noch recht gut aussehender Soldat vor der letzten Offensive die Genfer Konventionen radikal missachtend mit „Battlefield“ zudieselt, dann schreiend ins Feld rennt, um dort von einer Mörsergranate zerrissen zu werden. Da liegt er nun: gar nicht mehr so hübsch, gar nicht mehr so lebendig, aber immer noch wohlriechend. Dann erklingt ein einsames Trompetensignal und es erscheint der Slogan „Battlefield: der nasale Großangriff auf ihren guten Geschmack! Neu von Potenzo!“. Jaaaaaa, gar nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Ich denke, es gibt einfach Namen, die eignen sich eher nicht so für Düfte. Da wäre z. B. „Distance“ oder auch „No friends“ oder „From hell“ oder ähnliches.
Wie dem auch sei: niemand braucht mehr zu riechen und auch wer noch unentschlossen ist, der kann sich gern von kundiger Seite beraten lassen und dann verduften. Wie ich.
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Ich wünschte
Ich wünschte, Du wärst hier, dann könnte ich Dir diese Worte sagen statt sie zu schreiben. Denn das Geschriebene schweigt, das Gesprochene klingt.
Ich wünschte, die Welt würde Dich so sehen wie ich es tue. Dein Licht würde strahlen über allem und kein Sonnenstrahl, keine Blume und kein Himmel wäre so schön wie Dein Lächeln.
Ich wünschte, ich hätte den Mut, Dir zu sagen was ich für Dich empfinde. Ich wünschte, Du könntest in mein Herz blicken: Du würdest nur Dich darin sehen.
Ich wünschte, ich hätte einen Beweis für Dich, damit Du siehst, wie sehr ich Dich liebe. Bedingungslos und ewig.
Ich wünschte, ich wäre ein Sänger, der Dich zum Träumen bringt, ein Clown, der Dich zum Lachen bringt, ein Sonnenstrahl, der Dich auf der Nase kitzelt und eine Decke, die Dich wärmt, wenn Du vor Einsamkeit frierst.
Ich wünschte, ich könnte das alles für Dich sein. Ich wünschte, ich wäre ein Held, schön und stark, der Dich trägt und Dich beschützt.
Ich wünschte, Du würdest jetzt vor mir stehen, damit ich Dir all dieses sagen könnte. Ich wünschte, ich hätte den Mut dazu.
Ich wünschte es so sehr.
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