Ich sach ma so.....

 

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Johannsen und das platte Land

Es ist, meine lieben Leser, eine bedauerliche Tatsache, dass ich die Arbeit nicht erfunden habe und es ist sogar recht wahrscheinlich, dass ich demjenigen, der sie erfunden hat, bestimmt keinen Drink an der Bar spendieren würde.
Aber was hilft´s? So ein ausschweifendes Leben will finanziert sein, der Porsche tankt kein Wasser und das Rennpferd legt keine Eier, die ich für teures Geld verkaufen könnte.
So dachte ich mir, wenn ICH schon nicht arbeite, so könnte ich wenigstens den anderen Menschen zu einer Betätigung verhelfen. Ich dachte mir, es wäre rein wirtschaftlich ein recht fairer Deal, mich auf diese Weise am Bruttosozialprodukt zu beteiligen.
Da kam mir die desolate Lage des Staatshaushaltes gerade recht, denn wir alle wissen, dass die Inflation voran galoppiert, die Rentner sich kein Katzenfutter mehr leisten können und langfristig wahrscheinlich von den Chinesen lernen müssen, in dem sie ihre samtpfötigen Hausgenossen selbst auf den Speiseplan setzen.
Wie dem auch sei: die Lage ist verzweifelt, ja, fast hoffnungslos, was wiederum die privaten Arbeitsvermittler freut, die wie Pilze aus dem Boden wachsen.
„Dieser Job“, so dachte ich mir“ wird dir gefallen. Menschen, die von dir und deiner Gnade abhängig sind; und – wer weiß – vielleicht springt ja auch das eine oder andere schöne Bestechungsgeschenk heraus...“.
Ich heuerte also auf dem modernen Sklavenschiff an und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Sie kamen und zwar gewaltiger, als ich es zu fürchten glaubte.
Sie, meine lieben Leser, wissen, dass ich aus dem hohen Norden unserer wunderschönen, wenn auch wirtschaftlich maroden Heimat stamme, und wenn Sie meine Geschichten gelesen haben, so wissen Sie ebenfalls, dass der Norden sich in zwei Lager aufteilt: die Ostseeküste, eine wundervoll geschwungene Landschaft, reizvoll gestaltet und bewohnt von einer der gelungensten menschlichen Rasse. Der Ostseebewohner ist wohlgeformt, intelligent, laut Aussagen meiner Oma geradezu arisch und überhaupt eine Bereicherung füdie gesamte Menschheit. Ganz anders die Nordseeküste: dieses Land ist flach, flach, flach und so lebensfeindlich, dass hier nicht einmal Skorpione leben, welche ja bekanntlich in den unwirklichsten Gegenden ein Zuhause finden. Zumindest habe ich hier noch keine gesehen und wenn Sie glauben, die Missionare hätte im frühen Afrika gefährlich gelebt, dann kennen Sie das Leben entlang der Bundesstraße 5 nicht. Sylt hat hierbei natürlich eine Sonderstellung, ähnlich wie New York in den USA.
Mein neuer Chef schickte mich nach Niebüll. Niebüll liegt „in the middle of nowhere“ und die aktuelle Rechtsprechung besagt, dass Gewaltverbrechen und Suchterkrankungen in Niebüll nicht geahndet werden, da diese unter den Notwehrparagraphen fallen.
Niebüll besteht aus kleinen Häuschen aus rotem Backstein, welche stets irgendwie gedrungen aussehen und nicht hübsch, sondern ausschließlich zweckmäßig sind. Sollten Sie dort in einem Vorgarten mal auf ein paar reizvoll angeordnete Gänseblümchen stoßen, so können Sie davon ausgehen, dass in diesem Haus entweder ein Zugereister oder ein Homosexueller wohnt. Ähnlich wie die Häuser verhält es sich auch mit den Menschen: sie sind nicht hübsch, sondern eher zweckmäßig. Sie haben zwei Augen, eine Nase und zwei Ohren, welche aber nicht zu groß sein dürfen, da an der Nordsee stets eine frische Brise geht und jemand mit Segelohren schnell einmal in eine stabile Erdumlaufbahn geweht werden kann. Das ist zwar optisch ganz reizvoll, aber leider nicht besonders abendfüllend.
Sehr benutzerfreundlich hingegen sind die Namen. Der Nordfriese besitzt 3 Nachnamen: Petersen, Hansen und Johannsen. Daran angelehnt sind auch die Vornamen: Hans, Peter und Heinrich. Nun dürfen Sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und diese Namen nach Herzenslust kombinieren: Hans-Peter Johannsen, Heinrich Petersen, Hans Hansen, Peter Petersen, Peter-Heinrich Hansen usw. Sollten Sie auf ca. 12.000 Kombinationen kommen, dann haben Sie wahrscheinlich das Niebüller Telefonbuch vor sich.
Dem Nordfriesen sagt man nach, dass er recht eigensinnig und verschlossen ist und einen ganz eigenen Sinn für Humor hat. Das mit dem Humor halte ich zwar für ein Gerücht, denn sollte in dieser Region irgendeine Art von Humor gesichtet werden, dann ist dieser sofort zum Abschuss freigegeben. Dann kommt der amtlich bestellte Jäger Hans-Heinrich Hansen und erlöst ihn per Fangschuss von seinem Leid.

Ich hatte also mein neues Büro bezogen und dampfte nur so vor Enthusiasmus und Tatendrang. Lange musste ich auf meinen ersten Klienten nicht warten. Herr Petersen hatte vor mir Platz genommen und glotze mich mit dem abwechslungsreichen Mienenspiel eines toten Fisches an. Genauer gesagt schaute er irgendwie durch mich durch, da er ziemlich kurzsichtig war und seine Brille in die Jauche gefallen war. Er war der typische Vertreter der norddeutschen Gattung; außerdem war ihm wohl irgendwann ein Kord-Hut aus dem Kopf gewachsen, welcher offenbar fest mit der Schädeldecke verwachsen war und sich nicht abnehmen ließ.
„So,“ sagte ich „ sie wollen also wieder arbeiten.“
„Jo!“
„Wissen sie denn, was sie machen möchten?“
„Nö.“
Soweit also zu dieser aufregenden und abwechslungsreichen Konversation. Ich hatte ein kleines Plappermäulchen vor mir und dachte natürlich sofort an eine Beschäftigung in einem Call-Center. Herr Petersens Wortschatz verhielt sich übrigens proportional zu der Menge seiner Zähne: es waren derer nicht viele. Dafür allerdings präsentierten sie sich in einer ebenso reichhaltigen wie reizvollen Farbpalette, welche bei hornhaut-umbra begann und sich dann über ein lindgrün bis hin zu einem fröhlichen sommer-schwarz vorarbeiteten.
Ich ließ mich von unseren kleinen Startschwierigkeiten nicht entmutigen und forschte weiter nach irgendeiner Art von Können, Wissen oder Talent.
„Na ja, was machen sie denn so in ihrer Freizeit?“, wollte ich wissen. Vielleicht kriege ich ihn ja auf die Tour.
„Gartenarbeit.“
„Gartenarbeit!!!“, jauchzte ich „Gartenarbeit ist ja großartig! Was machen sie denn so in ihrem Garten?“
Dann, liebe Leser, passierte etwas, was mich tatsächlich für einige Minuten sprachlos werden ließ (und das passiert bei mir seeeeeehr selten!).
„Ich habe keinen Garten.“
Nun hatte das „Gespräch“ eine überraschende Wendung genommen. Vor meinem geistigen Auge sah ich eine gedrungene Gestalt, welche nachts mit Spaten, Gieskanne und Kord-Hut bewaffnet in fremder Leute Garten steigt und heimlich Tomaten und Stiefmütterchen pflanzt.
„Äh..ja...sie haben also keinen Garten. Wie muss ich mir ihr Hobby dann vorstellen?“
Schließlich, nach mehreren Minuten intensiver Forschung, eröffnete mir meine kleine Zahnfee, dass sie zwar keinen Garten hat, jedoch leidenschaftlich gerne gärtnern würde, wenn sie einen hätte. Das ist ein interessanter Aspekt! Wissen Sie, liebe Leser, eigentlich, dass eines meiner Hobbies Fallschirmspringen ist? Ich meine, ich habe zwar keinen und habe es auch noch nie gemacht, da ich unter Höhenangst leide, aber wenn ich einen hätte, die Technik beherrschte, keine Höhenangst hätte und auch sonst alles stimmen würde, dann, ja dann wäre Fallschirmspringen mein absolutes Hobby. Willkommen im Reich der Mental-Hobbies.
Aber es sollte noch schöner kommen. Mein nächster Klient wurde mir als Herr Wu angekündigt. Aus seinem Namen schloss ich, dass Herr Wu gebürtig wahrscheinlich nicht aus Dithmarschen kommt, sondern eher östlich anzusiedeln ist (so knapp hinter Frankfurt an der Oder). Von meinen lieben Kollegen erhielt ich den wertvollen Tipp, dass es mit Herrn Wu unter Umständen vielleicht und nur ganz vereinzelt zu Verständigungsschwierigkeiten kommen könnte. Würde man dem Herrn jetzt unterstellen, dass er kein Deutsch spricht, so wäre das allerdings falsch: er spricht nur keine Konsonanten. Herr Wu verwendet in seiner Aussprache ausschließlich Vokale, welche er mit kunstfertigem Zungenschlag verknüpft. Wir unterhielten uns etwa 3 Stunden und anschließend wusste ich, dass Herr Wu offenbar als Schweißer auf einem Schiff gearbeitet hat. Jedenfalls glaubte ich das verstanden zu haben. Ja, die Worte „Schweißen“ und „Schiff“ habe ich ganz sicher gehört. Es könnte natürlich auch sein, dass mein Gesprächspartner nur mal dringend schiffen musste und ihm deshalb der Schweiß lief, aber diese Möglichkeit blendete ich komplett aus.
So endete mein erster Arbeitstag und als ich zum Feierabend zu meinem Auto kroch, fiel mir wieder der Erfinder der Arbeit ein.
Der soll mir mal vor den Schreibtisch kommen!
1.5.09 17:32


Ein Ausschnitt voller Wahrheit

Woran erkennen Sie, liebe Leser, eigentlich, dass Menschen die Wechseljahre überstanden haben? Bei Männern ist das ganz einfach: die Farbe ihrer Kleidungsstücke wandelt sich ausnahmslos in beige um. Beige in allen Varianten. Manchmal allerdings, wenn man mal etwas Verrücktes machen möchte, kann auch schon mal ein Teil in waghalsigem bordeauxrot daher kommen. Die beige-Regel gilt also für die breite Masse. Bei Ärzten und Architekten wird der hormonelle Sturm im Wasserglas mit dem Ankauf eines Motorrades gefeiert (wahlweise auch mit einem Cabrio, falls die Bandscheiben dem Easy Rider einen Strich durch die Rechnung machen). Hier noch ein kleiner Tipp für die Motorrad-Industrie: wie wäre es mal mit einer Lederkombi in Senioren-beige? Ich bin sicher, in diesem Punkt auf eine echte Marktlücke gestoßen zu sein.
Soweit also zu den Herren. Aber wie verhält es sich mit den Damen?
Abgesehen von der beigen Kleiderordnung fangen Frauen nach den Wechseljahren an, gebrauchtes Geschenkpapier zu sammeln. In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: jedes Präsent wird mit chirurgischer Präzision aus dem Papier genestelt und zur Seite gelegt, um anschließend das Papier mit der Bemerkung „was für schönes Papier!“ (bei der Kriegsgeneration wahlweise auch mit dem Spruch „wir hatten ja nix damals“) glatt zu streichen und ordentlich zu falten. Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, meiner Großmutter einen Satz gebrauchtes, glatt gestrichenes und sorgfältig gefaltetes Geschenkpapier zu schenken. Selten sah ich solch eine Freude in ihren Augen. Raten Sie mal, was sie mit dem Papier gemacht hat, in welches ich die kleine Sammlung eingewickelt hatte...

Haben Mütter die Wechseljahre abgeschlossen, so bestreiten sie einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Freizeit damit, Zeitungsartikel zu allen möglichen Themen auszuschneiden und ihren Kindern zuzuschicken, zu überreichen, in Lebensmitteln zu verstecken oder per berittenem Boten zustellen zu lassen. Das Thema und der Anlass sind absolut nebensächlich. Einzig die Ästhetik eines sorgfältig ausgeschnittenen Zeitungsartikels scheint der Antrieb zu dieser Aktion zu sein. Meine Mutter praktiziert die Form der Informationsübertragung mit viel Eifer und Ausdauer.
Da der Herrgott mich so sehr liebt, dass er bisweilen ein Exempel an mir statuiert, hat er mich mit dem Morbus-Bechterew-Syndrom gesegnet, einer Form von Rheuma. Diese Tatsache veranlasst meine Mutter, mir sämtliche Artikel, welche auch nur im entferntesten mit dieser Thematik zu tun haben, zu Gesicht zu bringen. Diese Ausschnitte stammen ausnahmslos aus renommierten Fachblättern wie der Bild-Zeitung oder Zeitschriften, welche das Wort „Frau“ in ihrem Titel führen („Bild der Frau“, „Frau aktuell“, „Frau im Spiegel“, usw.). Die Artikel erscheinen nicht selten in den Rubriken „Frau Gisela rät“, „Neues aus dem Wartezimmer“ oder „Hausmittel, die Oma noch kannte“ und platzen nur so vor journalistischer Finesse und sind natürlich über jeden Zweifel erhaben. Findet sich mal kein passender Artikel, muss eben eine Werbeanzeige für irgendein neues Wundermittel herhalten, aber solange man etwas zum Ausschneiden hat, tut es der Begeisterung keinen Abbruch. Die Ausschnitte werden mir dann mit bedeutungsschwangerer Miene und dem Hinweis „Hier, zeig das mal deinem Arzt!“ überreicht. Zaghafte Einwände, dass der Mann das vielleicht schon wissen könnte und darüber hinaus auch noch studiert hat, werden mit einer grandiosen Gebärde und dem Hinweis, das die Tochter von Frau Soundso jahrelang falsch behandelt wurde, weil ihr verantwortungsloser Arzt „die aktuelle“ nicht gelesen hatte, weggewischt.
Also nicke ich interessiert und nehmen die brandheißen Neuigkeiten an mich. Ärzte finden es übrigens total klasse, wenn Patienten ihnen ihren Job erklären und ihre Vorschläge mit einem stichhaltigen Artikel aus „das goldene Blatt“ untermauern. Da stehen die total drauf! Manche bedanken sich anschließend häufig mit einer Spritzenkur mit auffällig langen und dicken Nadeln oder mit Einläufen. Letzteres wurde vereinzelt sogar schon bei Hautärzten beobachtet.
Doch nicht nur in Gesundheitsfragen ist meine Erzeugerin eine Meisterin der schnellen Schere: ihr Reservoir umfasst Informationen aus allen Bereichen. Vor einiger Zeit verkündete ich leichtsinnigerweise, dass ich daran dächte, mir als nächstes Auto wieder einen Mercedes-Benz zu kaufen. Zwei Tage später fand ich zwischen meiner Wäsche einen Zeitungsausschnitt, welcher mich darüber informierte, dass in manchen Ostblockländern Besitzer deutscher Edelmarken ermordet oder zumindest verstümmelt werden, um sie ihrer Fahrzeuge zu berauben. Vier Tage später teilte mir ein kleiner Zeitungsausschnitt mit, dass sehr viele Einwohner von Papua-Neuguinea sich kein Auto leisten können und weitere zwei Tage später erfuhr ich, dass Klimaanlagen in Pkws häufig Auslöser chronischer Atemwegserkrankungen sind.
Kurz darauf eröffnete ich meiner Mutter, dass ich dieses Jahr meinen Urlaub wieder in Italien zu verbringen gedächte, was sie mit Zeitungsausschnitten zu den Themen „Pasta macht dick“, „Geschlechtskrankheiten bei Sextouristen“ und „Frau Ernas Tipps zur Blumenpflege“ quittierte.
Jüngst machte ich die leichtsinnige Bemerkung, dass ich mich aus wachsender Einsamkeit mit dem Gedanken trage, wieder eine Beziehung einzugehen. Meine Mutter nahm diese Äußerung zum Anlass, ihre Schere um die Themen „die neusten Scheidungsurteile“, „Islam in Deutschland“ und die aktuelle Multi-Sanostol-Werbung kreisen zu lassen.
Meine Schwester hatte waghalsigerweise ihre Wohnung gewechselt und erhielt dafür zum Einzug Brot, Salz, die jüngste ADAC-Pannenstatistik für Benzin-Rasenmäher und Frau Ullas Meinung zu der alten Streitfrage „Gardinen oder Rollos“.
Irgendwann, als meine Wohnung nicht mehr vom Flensburger Stadtarchiv zu unterscheiden war und meine Altpapier-Tonne zweimal täglich geleert werden musste, wagte ich die zarte Andeutung, dass ich mir alle für mein Leben notwendigen Informationen aus dem Internet hole und keiner weiteren Wissensquelle mehr bedürfe. Zur Antwort erhielt ich Ausschnitte, welche mich über Generationskonflikte, neue Therapiemethoden bei Demenz und Abfallentsorgung aufklärten. Den schönsten Artikel überreichte mir meine Mutter jedoch persönlich: den über den Sinn von Zeitungsausschnitten!

Ich gebe auf.
29.4.09 20:28


Old words in new shirts

Sprechen Sie “denglisch”? Nein? Naja, vielleicht tun Sie es doch und wissen nur nichts davon. „Ich spreche eine Fremdsprache und weiß nichts davon? Ist der Coastbuster jetzt total bescheuert geworden?“, werden Sie fragen. Doch bevor Sie jetzt Ihre Ehefrau nächtelang wach halten, um aufzupassen, ob Sie im Schlaf nicht irgendeinen seltenen indischen Dialekt sprechen, den man bisher nur für übles Schnarchen gehalten hat, kläre ich die Sache auf. „Denglisch“ ist ein wunderbares Wischiwaschi-Wort für Menschen, bei denen Sie mit einem Langenscheidt-Englisch-Lexikon daneben sitzen müssen, wenn diese morgens einen Furz lassen. Für Menschen, die in Ermangelung einer lebhaften deutschen Sprache Anglizismen um sich streuen wie ein Traktor die Gülle. Natürlich ist es ein bisschen deprimierend, dass wir Deutschen zur Weltsprache nichts anderes beigetragen haben als „Sauerkraut“, „Würstel“ und „Blitzkrieg“, aber das ist immer noch mehr als z. B. Simbabwe, Taiwan, Lichtenstein oder Dänemark eingebracht haben und somit kann man doch wieder ein bisschen stolz sein, oder? Gut, „Blitzkrieg“ lässt sich nicht so häufig in eine Unterhaltung einbringen wie „coffee to go“, aber es ist auf jeden Fall eine interessante Aufgabe. Ich selber habe es vor ein paar Jahren in New York einmal erfolgreich praktiziert. Ich betrat ein Geschäft für das, was der gemeine Amerikaner so Kaffee nennt und hatte mich für einen „White Caffé Mocha hazelnut flavoured Caramel Macchiato Press“ entschieden (übrigens ist da alles drin, bloß kein Kaffee!) und dachte so bei mir: „Wollen doch mal sehen, ob ich nicht durch geschickte Wortwahl meine Herkunft verraten kann, ohne das es aufgesetzt klingt...“. Es war ganz einfach und so hörte ich mich sagen: „Hey Girl, gimme that fuckin´coffee („fuckin´“ gehört immer dazu, sonst hält man Sie für einen aus Texas), or I show you, what a good old german Blitzkrieg is!“. Eigentlich wollte ich lieber „Sauerkraut“ ins Spiel bringen, aber wer will das schon im Kaffee haben? Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Jegliches Gespräch verstummte, jegliche Bewegung erstarrte und für einen Moment schwebte mein Genius über der Kaffeemaschine. Dann stürmten ein paar dunkel gekleidete Herren auf mich zu, um mir – wie ich dachte – zu dieser waghalsig-gelungen Schöpfung zu gratulieren, was sich jedoch als Irrtum herausstellte. In dem sich anschließenden 4 Tage andauernden Gespräch in der FBI-Zentrale stellte sich heraus, dass mein kleiner Exkurs in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts irgendwie feindselig rüber gekommen war und man befürchtet hatte, ich könnte diese „Starbucks“-Filiale dem Erdboden gleich machen. Ich muss neidlos anerkennen, dass die Amis seit Pearl Habour doch ein bisschen was dazu gelernt haben.
Doch wollen wir wieder zurückkehren zu „denglisch“ und Kaffee. Es gibt hierzulande keinen Kaffee mehr zum Mitnehmen. Es gibt nur noch „coffee to go“. Das ist ja auch eigentlich nicht so schlimm, aber was sage ich denn, wenn ich meinen Kaffee gar nicht mitnehmen will? Einen „coffee to stay“ bitte? Ich hatte vor einiger Zeit einmal einen „coffee to run“, will sagen, ein Heißgetränk, dass optisch und geschmacklich irgendwo zwischen asiatischer Nudelsuppe und Kläranlage 1. Becken rangierte und welches mich fluchtartig das Weite suchen ließ.
„Ha!“, werden Sie jetzt sagen, „ Du bist doch selbst gar nicht besser, oder warum nennst Du Dich „Coastbuster“ und nicht „Küstenjäger“? Hm? Na?“. Ich habe nie behauptet, dass ich besser bin. Außerdem geht der Wortwitz doch ein bisschen verloren. Manche Anglizismen sind auch durchaus gestattet. Es wäre wohl ziemlich albern, wenn ein Wachmann auf seiner nächtlichen Runde sein „Alles ok!“ in ein „Gehi-Sprechi“ statt in ein „Walkie-talkie“ sagen würde. Außerdem würde es sicherlich einige fragenden Blicke nach sich ziehen, wenn Sie während einer Prüfung ins Stocken geraten und sich anschließend damit entschuldigen, dass Sie einen „Schwarz aus“ hatten. Haben Sie schon mal Ihrem Chef (oder auch „Boss“ – wie Sie wollen) vorgeschlagen, ein kollektives „Hirnstürmen“ zu praktizieren, um neue Vertriebswege zu erschließen? Mein Tipp: tun Sie es lieber nicht!

Wenn man weiß, was gemeint ist, schadet so ein kleiner Anglizismus auch keinem. Nehmen wir einmal an, Sie stehen am Airport und warten auf Ihren Flug. Dann kommt eine Stewardess mit mitleidigem Blick auf Sie zu, um Ihnen zu sagen, dass Ihr Flug leider gecancelt wurde. Keiner von Ihnen würde beispielsweise erwarten, dass dieses Wort bedeutet, dass leider zu wenig Plätze an Bord sind und Sie vorne auf dem Schoß des Piloten sitzen müssen. Auch wären Sie sicher nicht der Meinung, dass ein hoher Würdenträger Ihrer Kirchengemeinde von der Kanzel herunter befohlen hätte, dass Fliegen nun doch Teufelswerk und somit zu unterlassen ist. Sie wissen, was gemeint ist und flippen dann vorschriftsmäßig aus, weil Ihr blöder Flug nicht stattfindet.
Manchmal allerdings ist so ein aalglatt klingender Werbespruch in Englisch schon ein wenig verwirrend. Erinnern Sie sich noch an das „Come in and find out“ einer Parfümerie-Kette? Klingt das nicht ein bisschen wie „Kommen Sie rein und finden Sie wieder raus.“?

Putzig finde ich es allerdings immer wieder, wenn Gesprächspartner geradezu zwanghaft englische Wörter einstreuen, um dann vor Weltoffenheit und Kompetenz aus der Hose zu platzen. Vor Jahren, als ich für eine amerikanische Hotelkette tätig war, hatte ich einen solchen Vorgesetzten. Er war Weltbürger durch und durch, trug seine Haare wie Bill Clinton, seine Hose wie John Wayne und sein Hirn in einer McDonald´s-Tüte wie George Bush.
Nie werde ich den Tag vergessen, an welchem er mich auf dem Flur anhielt und folgende Worte an mich richtete „Ach, wo ich sie gerade treffe: ich bin gleich Host in einem Meeting und habe bemerkt, wir sind ein wenig short mit Kosmetik-tissues. Machen sie doch noch eine „just-in-time“-Order an das headoffice.“. Kapiert? Ich übrigens nicht. „Soso, du bist also „short“.“, dachte ich bei mir,“ Aber das du einen „Kurzen“ hast, habe ich schon lange vermutet. Aber wie du mir, so ich dir.“.
„No problem. Ich habe die deadline für die „Last-minute“-Order schon im brain und werden das noch vor meinem celebration-evening managen. Im Übrigen habe ich da eine dumping-offer für ein joint venture mit einer anderen company. Dort sind die tissues very viel cheaper “. Das saß. Wir waren auch einer Wellenlänge.
Er wandte sich an mich, verneigte sich gen Washington und entgegnete mir: „Well, ich werde darüber mal memorizen.“, was mich zu einem verbindlichen „Why not? Wir können das ja später noch betalken.“ veranlasste. Ich habe dann übrigens später noch die Papiertaschentücher bestellt, so dass wir für das weekend safe waren. Cool, was? Im Übrigen trug dieser Kollege den großartigen Titel „guest satisfaction manager“ und das, liebe Leser, ist absolut war. Ich muss zugeben, da war ich als einfacher „F&B supervisor“ schon ein bisschen neidisch. Es ist eben ein ganz anderes Arbeiten, wenn man statt „Kellner“ ein „food & beverage transport manager“ ist und statt „Hausmeister“ ein „technical equipment chief organizer“. Ja, das rockt!
Ups, jetzt habe ich bei meinem report fast die deadline für das dinner verpennt. Naja, then till later! See you!
20.7.08 21:08


Mussolini und die Penis-Nudeln

Habe ich eigentlich schon einmal über meine Schwester berichtet? Nein? Dann ist das ein kaum zu verzeihender Fehler! Na, auf jeden Fall habe ich eine Schwester, welche ein bisschen
älter ist als ich. Sie ist ein äußerst liebenswerter Mensch und hat sehr viel Humor (den braucht sie auch, denn schließlich ist sie mit mir verwandt). Außerdem habe ich einen Schwager, den ich auch sehr gern habe (der hat noch mehr Humor, denn schließlich ist er mit meiner Schwester verheiratet und mit mir verwandt).
Warum ich Ihnen das erzähle? Nun, eben diese humorvollen Menschen sind sozusagen die Initialzündung für die folgende Geschichte.
Aber beginnen wir von vorn:
Es gibt, meine lieben Leser, zahllose Reiseberichte und putzige Geschichten über Deutsche im Ausland: da gibt es Karl-Heinz, the „Conqueror“, der mit Zähnen und Klauen sein kleines Jägerzaun ummanteltes Reich auf dem ungarischen Campingplatz gegen die anrückende rote Gefahr verteidigt. Auch ein Klassiker sind Hildegard und Günther aus Essen-Borbeck, welche auf ihrer Afrikareise kleine schwarze Kinder traumatisieren, indem sie diese für ein Foto auf ihre fleischigen Beine zerren und ihnen nachher Geld für eine neue Badehose geben.
Ja, liebe Leser, man muss es erlebt haben und was soll ich sagen? Ich habe es erlebt.
Meine Schwester und mein Schwager hatten mich in Absprache mit der Norddeutschen Gesellschaft für Humanästhetik einige Zeit außer Landes gelockt, um den heimischen Tourismus anzukurbeln. So fand ich mich eines Morgens am wunderschönen Gardasee wieder, welcher bekanntlich in Italien liegt. Wer ihn einmal gesehen hat, der ist sofort verliebt in die Berge und die Buchten, in die Straßen und die Strände, in die Piazzas und die Pizzas, in die Gigolos und die Gelatis. Ich liebe Italien, denn es ist eine höchst reizvolle Landschaft mit freundlichen Menschen, einer großartigen Lebensart und Kultur und einer allgegenwärtigen Geschichte. Ja, Italien hat Stil und wer jemals eine italienische Gemüsehändlerin beim Verhandeln auf dem Markt erlebt hat, der weiß, warum die schönsten und die meisten Opern aus Italien kommen. Selbst das Rumpöbeln klingt wie ein Gedicht. Wir schlenderten durch die malerischen Gassen der zauberhaften Orte (mit dem Wort „malerisch“ geht man wirklich verschwenderisch um, denn in Italien besitzen sogar die Toilettenhäuschen eine gewisse Romantik).
Allerdings muss ich an dieser Stelle die Uhr noch einmal kurz zurück drehen für eine höchst erwähnenswerte Begebenheit: da wir in guter alten Landsermanier ein Appartement mit Selbstversorgung gebucht hatten, war es erforderlich, Bettwäsche mitzubringen.
Meine Mutter erklärte sich freundlicherweise bereit, mir eine Garnitur aus ihren Beständen zu leihen. Als ich zu ihr fuhr, überreichte sie mir die Leihgabe, zwinkerte mir zu und raunte in höchst konspirativem Ton: „ Hier, die kannst du notfalls auch mal auswaschen.“
Ich wusste mit dieser Aussage nichts Rechtes anzufangen:
„Auswaschen? Wieso soll ich die denn auswaschen? Und was für ein Notfall überhaupt?“
Wieder näherte sich ihr Kopf in einen verschwörerischen Abstand und abermals erhielt ich ein Augenzwinkern: „Naja, im Notfall eben...“
Ich gab auf. Normalerweise ist es ein Traum von mir, die Gedanken aller Menschen in meiner Umgebung zu kennen, aber in diesem Fall wollte ich das gar nicht so genau wissen. Das mutete ziemlich erschütternd an, was meine Erzeugerin da von mir dachte. Vor meinem geistigen Auge sah ich eine Familienfeier im Hause meiner Mutter, zu der ich ausnahmsweise nicht pünktlich erscheinen kann. Daraufhin entschuldigt sie mich, indem verschwörerisch in die Runde schaut und dann laut und deutlich sagt: „Vielleicht hatte er einen kleinen Notfall und muss noch schnell die Bettwäsche durchwaschen...“.Grausig. Ich werde ab sofort nie mehr zu spät zu irgendwelchen Feierlichkeiten gehen.
Was denn für ein Notfall? Ich bin Mitte Dreißig und schon die eine oder andere Woche stubenrein, meine letzte sexuelle Erfahrung hatte ich noch zu DM-Zeiten und auch Menstruationsbeschwerden sind bei mir nicht zu erwarten. Warum zum Kuckuck soll ich also etwas durchwaschen?
Aber lassen wir das. Wir schlenderten durch die schmalen Gässchen und erblickten schließlich einen Laden für geschmackvolle Andenken. Es gibt ja – und das werden Sie zweifellos wissen – zwei Arten von Andenkenläden: die einen geschmackvollen, welche wunderbare Produkte aus regionaler oder zumindest heimischer Produktion anbieten. Da gibt es hochwertige Töpfereien, Kunst, Handwerk und Schmuck. Diese Läden sind zwar in der Regel nicht ganz günstig, aber von erfreulich hohem Niveau und wer daraus etwas mitbringt, der kann sich sicher sein, dass er aus dem nächsten Urlaub nicht nur ein blödes schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck „Las Palmas bei Nacht“ erhält. Mitbringsel aus diesen Edelshops verraten den weltmännischen Reisenden mit Geschmack und Stil, der sich nicht scheut, für seine Freunde und Familie auch mal 2-3 Euro extra locker zu machen.
Dann gibt es aber noch die anderen Andenkenläden, in welchen man sich stets vorkommt, als besuche man eine konkursgefährdete Spielzeugfabrik in Asien oder dem finstersten Ostblock.
Eine Anprobe der feilgebotenen Kleidungstücke führt unweigerlich eine Hautkrankheit mit sich, das Berühren der quietschbunten Spielzeuge eine Kontaktkontermination mit irgendwelchen bösen Umweltgiften und überhaupt ist die Ware so gruselig wie das letzte Bühnenoutfit der Jakobsisters. Wer kauft so etwas? Oder noch viel schlimmer: wer stellt so etwas her? Damit kann doch unmöglich jemand sein Geld verdienen. Denken Sie, liebe Leser, jetzt bitte nicht, dass ich solche Läden hasse. Ich liebe sie, denn dieser sympathische Dilettantismus der Produktpiraterie ist ein Quell steter Freude. So auch in diesem Laden. Am Eingang erwartete uns ein Ständer mit übelst riechenden „echten“ Ledergürteln, wovon einige allerdings in Folge der Sonneneinstrahlung geschmolzen waren und direkt daneben tummelten sich in der Auslage verschiedene Nudelsorten. Alle Formen und Farben waren vertreten: dicke, dünne, lange, kurze, gelbe, rote und grüne. Es gab Ravioli in der Größe eines Bundeswehrschlafsackes, begehbare Tagliatelle, welche in Größe und Form an Fußmatten erinnerten, kleine Herzen, große Sterne und – Penisnudeln! Wir sahen zweimal hin und konnten es trotzdem noch nicht glauben. Da lag tatsächlich eine Tüte mit Pasta in der Form von kleinen erigierten Penissen. Nicht, dass ich etwas gegen den majestätischen Anblick eines stolz aufragenden männlichen Geschlechtsorganes habe, aber der Gedanke, dieses in heißes Wasser zu tauchen und anschließend mit Tomatensoße zu servieren, erregt in mir tief verwurzelte Kastrationsängste. Wem soll man so was eigentlich mitbringen? Der Omi? „Schau mal Oma, was wir dir aus Italien mitgebracht haben: Pimmel-Pasta!“ Da freut sich die Omi, klatscht in die Hände und ruft:“ Toll! Die passt ja bombig zu dem Stierhoden-Gulasch, welches ich für euch gezaubert habe. Anschließend muss ich allerdings noch meinen Anwalt anrufen, um mein Testament zu ändern.“. Ich kenne wahrlich eine Menge komischer Leute, aber ich wüsste auf Anhieb niemanden, dem ich die Schwanz-Nudeln als Geschenk mitbringen würde; es sei denn, ich würde es darauf anlegen, diese Freundschaft zu beenden.
Gerade als ich lauthals darüber mutmaßte, welcher Idiot denn diese kulinarische Geschmacklosigkeit in Umlauf bringe würde, wurde ich von einer raumgreifenden Dame Marke „Neckermann-Reisen“ unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Sie hatte soeben die Urologen-Nudeln erstanden und aus dem vernichtenden Blick in meine Richtung konnte ich deutlich ablesen, dass sie aus Deutschland stammen muss und mir meine abfälligen Bemerkungen wohl ziemlich übel nahm. Im Schlepptau hatte sie ihre Schwester und an deren spirreliger Figur konnte man deutlich erkennen, dass sie offenbar immer erst als Zweite an den Frühstückstisch kommt. Meine Nudelfreundin allerdings hatte ihren Rubenskörper in eine Bluse aus dem Klingel-Katalog von 1977 gezwängt, welche mein Auge durch ein psychedelisches Blumenmuster verwirrte. Darunter schauten ihre schneeweißen Beine aus einer kurzen Hose, wobei ihre Waden von fröhlich-bunten Krampfadern durchzogen waren. Diese erinnerten ein wenig an eine Straßenkarte, wobei die Autobahnen in blau und die Landstraßen in grün eingezeichnet waren. Natürlich durfte ein riesiger Rucksack auf dem Rücken nicht fehlen, welchen sie auch in dem engen Geschäft nicht abnahm und somit das eine oder andere Regal abräumte bzw. anwesende Personen an die Wand katapultierte. Deutlich in ihrer Ehre verletzt stapfte sie an mir vorbei zum Ausgang.
Schade. Sie passte irgendwie in diesen Laden, denn eine gewisse Ähnlichkeit zu Adriano Celentano war nicht zu leugnen.
Es sollte allerdings noch besser kommen. An einem Drehständer entdeckte ich Schweißbänder und Kopftücher aus der untersten Schublade der kopierten Fanartikel. Über dem Aufdruck „Tokio Hotel“ konnte ich mit einiger Mühe vier Gesichter ausmachen, wobei dieser Bill Dingsda ausschaute, als wäre er ein Eichhörnchen, welchem der Fön explodiert war und welches sich deswegen in suizidaler Absicht vor einen Lkw geworfen hatte. Er war also recht gut getroffen.
So verhielt es auch mit den anderen Modellen. Die „Rolling Stones“ waren deutlich verjüngt worden, wobei ich immer gedacht hatte, dass man „Rolling“ mit zwei „l“ schreibt.
Was ich daneben fand, verschlug mir allerdings den Atem: ein Schweißband mit Benito Mussolini! Er schaute ein bisschen kriegslüstern in die Ferne und ließ keine Zweifel daran, dass er dem Schweiß auf seine bekannte radikale Art begegnen würde.
Ich war restlos begeistert, denn dieses Modell würde eine gelungene optisch-politische Symbiose mit meinen Hitler-Topflappen und meinen General-Franco-Ohrenschützern eingehen. Jetzt noch die Stalin-Socken und fertig ist der kleine Diktator! Leider wurde mir der Erwerb von meiner Schwester und meinem Schwager verboten, so dass ich Sie, liebe Leser, einfach bitten muss, mir zu glauben. Sollten Sie einmal selbst zum Gardasee kommen, dann gehen Sie im Örtchen Limone in den ersten Andenkenladen neben dem großen Parkplatz. Dort finden Sie ihn: den typischen Italiener mit Mussolini am Kopf und der Nudel in der Hose.
2.6.08 16:01


Bin ich schön?

Also, um es gleich vorab zu klären: Nein. In der Tat bin ich, liebe Leser, von der Figur her etwas mopsig. Böse Zungen würden behaupten, mein Hintern hätte aufgrund seiner Größe demnächst Anspruch auf eine eigene Postleitzahl und die nächsten Passfotos müsste ein Satellit aus dem All aufnehmen. Diese Behauptung ist sicherlich ein wenig übertrieben, doch bin ich nicht gerade verschwindend zierlich. Aber das macht auch nichts, denn schließlich kann ich von mir behaupten, dass an mir alles echt ist, und das scheint immer mehr zur Seltenheit zu verkommen.

Man denke nur einmal an die Tochter der Charity-Queen Ute Ohoven. Wer erinnert sich nicht schmunzelnd an ihr mühsam zwischen bratwurstgroßen Lippen heraus gepresstes Statement: „Nein, meine Lippen sind nicht aufgespritzt.“? Nein, Chiara, das sieht man doch! Das ist doch nur die neue Werbefläche der Metzger-Innung! Tatsächlich habe ich vor einiger Zeit eine Rettungsinsel auf dem offenen Meer beobachtet und war – zugegebenermaßen ein wenig verwirrt durch die rote Signalfarbe – unschlüssig, ob es sich hierbei nicht auch um Chiara Ohoven beim Rückenschwimmen handeln könnte. Dabei ist Charity Junior ja noch sehr gemäßigt unterwegs. Pop-Omi Cher z. B. steht trotz ihrer 83 Jahre immer noch auf der Wunschliste vieler Pädophiler und ist mittlerweile so oft geliftet, dass ihr Bauchnabel nur noch als Grübchen auf dem Kinn erscheint. Nach der nächsten Runde Haut-Hochziehen wird sie sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, einen kleinen Kinnbart zu tragen...
Aber nicht nur die Damenwelt lässt ziehen, zerren, wegschneiden und zusammentackern. Auch Michael Douglas muss beim Lächeln die Knie anziehen, damit die zum Bersten gespannte Haut am Hinterkopf nicht zurückspringt. Kokettierte er doch vor einigen Jahren damit, sich den Hintern geliftet zu haben.
Aber nun mal die Frage: wo bleibt man eigentlich mit der ganzen unliebsamen und überschüssigen Haut?
Vor meinem geistigen Auge steht Inspektor Steve Heller morgens vor dem Spiegel, schaut an sich herab und verkündet seiner Gattin Zeta: „Schatz, schau mal, was ich für einen riesigen Pickel ich hier vorn auf meinem Hintern habe!“. Läuft es so ab? Oder schiebt man die Hautmassen nach Belieben auf dem Körper herum, um sie dann irgendwo unter dem längeren Nackenhaar oder unter den Fußnägeln zu lagern?
Und wie ist das eigentlich mit der Gesundheit? Viele der zusammengewürfelten Frankenstein-Monster haben ja schon sehr früh den Löffel aus der geglätteten Hand geworfen. Man denke nur an Lola Ferrari: die erste Frau, die sich zwei Heißluftballons implantieren ließ und sich hinterher wunderte, dass sie kein Bein mehr auf den Boden bekam. Willkommen in der Physik-Nachhilfe.
Auch auf dem Totenschein von Anna Nicole Smith sollen ca. 10 Altersangaben gestanden haben, wie man in informierten Kreisen munkelt. Am jüngsten war ihre Oberlippe als sie starb und auch ihr linker Busen verschied viel zu früh nach nur 3 Jahren auf den Rippen.
Wie macht Michael Jackson das eigentlich jedes Jahr? Wird da mehrmals Geburtstag gefeiert oder wird nur der Tag berücksichtigt, an dem die meisten seiner Körperteile ihren Ehrentag begehen? Übrigens hat der einstige King of Pop verkündet, er wolle nach seinem (kompletten) Ableben statt einer schnöden Erdbestattung ins All geschossen werden. Das ist wahrscheinlich eine sehr weise Entscheidung, da man die Ruhe auf einem normalen Gottesacker sowieso verwehren wird. Wer soviel künstliches Zeug in sich trägt, der gilt nach Erdenrecht als Sondermüll und darf sich darauf freuen, seine letzte Ruhe in einem stillgelegten Salzbergwerk in ein Ölfass gequetscht zwischen ein paar ausgelutschten Uranbrennstäben zu finden. Da scheint mir eine stabile Erdumlaufbahn auf jeden Fall die romantischere Alternative zu sein. Hat so jemand überhaupt noch einen Organspendeausweis? Da drängt sich förmlich die Überlegung auf, ob man den Robocop der Bühne nicht nach seinem Tod komplett ausschlachtet und auf dem Organmarkt anbietet. Einige Teile sind ja noch fast neu.
Ich habe mich dazu entschlossen, mir keine Silikonkissen einsetzen zu lassen (das wäre auch ziemlich kontraproduktiv, denn ich sehe teilweise aus, als hätte ich nicht nur mehrere Silikonkissen sondern eine komplette Silikongarnitur mit Decke und Nackenrolle in meinem Bauch versteckt). Auch werde ich mir nichts wegschneiden, ablasern oder umlackieren lassen. Allerdings wäre es sicher recht interessant, als Gegengewicht zu Michael Jackson als Schwarzer aufzutreten. Geht so was?
Wenn überhaupt, dann lasse ich mir nur nützliche Dinge implantieren. Wie wäre es z.B. mit einer Mikrowelle unter dem Brustkorb? Dann könnte ich im Kino sitzen und mit dem Verkauf von Popcorn an die Umsitzenden noch einen schnellen Euro extra machen. Natürlich könnte das regelmäßige „BING!“ unter dem Pulli stören, aber irgendwas ist ja immer. Oder wie wäre es mit einem Getränkeautomat im Genitalbereich? Der Hahn ist schließlich schon da (herzlich Willkommen auf dem Stammtisch-Niveau, liebe Leser!)...
Denkbar wäre auch ein Faxgerät auf der anderen Körperseite, ein Eiswürfelspender unter der Achselhöhle oder eine X-Box auf der Kniescheibe.
Gut, als Mann kann ich nicht umhin, festzustellen, dass auch Brüste einen gewissen Freizeit- und Unterhaltungswert haben, aber stellen Sie sich doch einmal vor, Ihre Frau hätte eine Premiere-Box im Kinn oder Ihr Ehemann einen Schminkspiegel auf der Stirn. Das wäre eine ganz neue Form der gegenseitigen Ergänzung. Außerdem hätte dann der Media-Markt nicht nur eine Werkstatt zum Einbau von Radios, sondern gleich einen Operationssaal zum parallelen Anbringen weiterer Unterhaltungselektronik in Ihren Eingeweiden.

Hierzu noch ein kleiner Tipp von mir: verwenden Sie jedoch keine batteriegetriebenen Geräte! Der Wechsel ist einfach zu umständlich.
21.9.07 22:16


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