Ich sach ma so.....

 

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Ich verdufte

Ich, liebe Leser, stinke. Das ist zwar ein recht hartes Urteil, entspricht jedoch in weiten Teilen des Tages der Wahrheit. Besonders morgens nach dem Aufstehen habe ich einen Geschmack im Mund, als sei letzte Nacht irgendetwas in meinen Mund gekrochen und dort verendet. Irgendetwas Pelziges.
Und wenn ich dann in das süße Antlitz meiner Trautholdesten blicke, dann weiß ich, ich rieche auch außerhalb meines Mundes nicht viel besser. Sie versucht, ihren Ekel und ihre Abscheu zwar zu verbergen (schließlich liebt sie mich ja), aber ich merke es trotzdem an ganz kleinen Zeichen: z. B. wechselt ihre Gesichtsfarbe in ein Nato-grün bis zart-mauve, ihre Augen tränen und ihre Wimpern fallen aus; aber das macht nichts – die wachsen über Tag wieder nach.
Nun könnte man meinen, ich verzweifle ob dieser Tatsache, aber das stimmt nicht, denn schließlich gibt es Trost für mich: alle Männer stinken morgens. Dies ist eines der großen Mysterien Männlein und Weiblein betreffend. Männer stinken morgens nach einer tödlichen Mischung aus Pups, nassem Chow-Chow und altem Opa, dass es einem die Nasenscheidewand weg haut. Und Frauen? Frauen duften morgens nach weichem Bett, nach Kuscheln, nach Wärme – kurzum: einfach süß und gut.
Wenn mein kleiner Engel morgens mit zerknautschten Haaren und ebensolchem Gesicht neben mir wach wird, dann gibt es für mich nichts Schöneres als an ihr zu riechen. Umgekehrt kann man davor nur warnen. Wer morgens an Männern riecht, der lacht über Vietnam.

Natürlich lässt man uns mit unserem Elend nicht allein, denn wir leben schließlich nicht in irgendeiner Bananenrepublik, sondern in einem hoch technisierten Land irgendwo an der Spitze des Universums. Das bedeutet, es gibt Hilfe für die Einsamen: Douglas. Douglas ist eine weltweit operierende sektenartig aufgebaute Parfümeriekette. Warum sektenartig? Nun, haben Sie mal die Verkäuferinnen dort betrachtet? Alle scheinen irgendwie von ein und demselben Klon abzustammen; quasi Dolly, das Verkaufsschaf mit der 20 cm dicken Schminkschicht auf den Wangen. Den Douglas-Klon gibt es in 2 Ausführungen. Einmal in der Senioren-Version: Alter ca. 35-60 (genauer lässt sich das bei der aufgetragenen Kriegsbemalung nicht schätzen), gebärfreudiges Becken, dafür aber nur 150 cm groß (davon sind dann allerdings noch 15 cm Absatz), verspielt-kitschige Designer-Brille und die grell gefärbten Haare zu einer Frisur zusammen gekleistert, welche entfernt an eine Momentaufnahme einer Gerölllawine oder einen explodierten Pudel erinnert. Juniorversion: Alter ca. 8-34 (s. o.), die dunklen Haare so streng zu einem Zopf geflochten, dass der Bauchnabel als Grübchen auf dem Kinn erscheint, schlank und Marke „Ich wäre lieber Flugbegleiterin geworden, aber vom Fliegen muss ich kotzen.“. Hin und wieder gibt es da noch den androgyn wirkenden Jüngling, der jede Kundin mit einem lauten Kreischen begrüßt und in seiner Freizeit eine Menstruation vortäuscht. Der ist jedoch seltener.

Aber zurück zu uns Stinkern. Wir betreten das douglassche Klonlabor auf der Suche nach Hilfe. Sofort spurtet eine Verkaufsbeauftragte auf uns zu und sprüht uns mit den Worten „Kennen sie schon den neuen Duft von Lagerfeld?“ einen halben Liter in die Augen, die Atemwege, in alle Körperöffnungen und Schleimhäute. Wir beginnen zu taumeln, während wir überrascht zur Kenntnis nehmen, dass Lagerfeld jetzt auch in die Sicherheitsbranche eingestiegen ist und Pfefferspray verkauft. Sobald sich unsere verklebten aber gut duftenden Lungenbläschen erholt haben, keuchen wir „ Nett. Wirklich nett. Haben sie dafür auch das Gegengift?“ und suchen uns einen Platz zum Festhalten.

Natürlich ist es wichtig, mit einem möglichst individuellen Duft ihre eigene Individualität gepaart mit einem soliden Understatement an den Tag zu legen. Wenn Sie also wie die gesamte deutsche Verteidigung duften möchten, dann nehmen Sie ruhig Lagerfeld Photo oder Boss oder so was. Ansonsten suchen Sie sich etwas völlig Unbekanntes aus, wie das neue „elephant pee“ des jungen angolanischen Designers Mbele Bombo oder so. Das riecht dann zwar vielleicht wie alter Pekinese von hinten aber immerhin bleiben Sie im Gedächtnis.

Neulich waren meine Herzallerliebste und ich in einer Filiale von Verona Pooths Klamottendiscount und ich war nicht wenig überrascht, als ich an der Kasse auf die mehr oder weniger gelungenen Imitate anspruchsvoller Herren- und Damendüfte in teilweise beeindruckend wuchtigen Flakons traf. Besonders beeindruckt hat mich der Herrenduft „Battlefield“. Nun, ich bin gewiß kein Marketing-Fachmann und werde mich hüten, die neueste Namensschöpfung des italienischen Stardesigners Enzo Potenzo in den Dreck zu ziehen, aber stehe ich allein mit meiner Meinung, das der Name „Schlachtfeld“ vielleicht ein ganz kleines bisschen unglücklich gewählt ist? Vor meinem geistigen Auge erscheint „Battlefield“ in einer Fernsehwerbung, in welcher sich ein junger noch recht gut aussehender Soldat vor der letzten Offensive die Genfer Konventionen radikal missachtend mit „Battlefield“ zudieselt, dann schreiend ins Feld rennt, um dort von einer Mörsergranate zerrissen zu werden. Da liegt er nun: gar nicht mehr so hübsch, gar nicht mehr so lebendig, aber immer noch wohlriechend. Dann erklingt ein einsames Trompetensignal und es erscheint der Slogan „Battlefield: der nasale Großangriff auf ihren guten Geschmack! Neu von Potenzo!“. Jaaaaaa, gar nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut.
Ich denke, es gibt einfach Namen, die eignen sich eher nicht so für Düfte. Da wäre z. B. „Distance“ oder auch „No friends“ oder „From hell“ oder ähnliches.

Wie dem auch sei: niemand braucht mehr zu riechen und auch wer noch unentschlossen ist, der kann sich gern von kundiger Seite beraten lassen und dann verduften. Wie ich.
18.2.10 10:09


Ich wünschte

Ich wünschte, Du wärst hier,
dann könnte ich Dir diese Worte sagen statt sie zu schreiben.
Denn das Geschriebene schweigt,
das Gesprochene klingt.

Ich wünschte, die Welt würde Dich so sehen
wie ich es tue.
Dein Licht würde strahlen über allem
und kein Sonnenstrahl, keine Blume und kein Himmel wäre so schön
wie Dein Lächeln.

Ich wünschte, ich hätte den Mut, Dir zu sagen
was ich für Dich empfinde.
Ich wünschte, Du könntest in mein Herz blicken:
Du würdest nur Dich darin sehen.

Ich wünschte, ich hätte einen Beweis für Dich,
damit Du siehst, wie sehr ich Dich liebe.
Bedingungslos und ewig.

Ich wünschte, ich wäre ein Sänger,
der Dich zum Träumen bringt,
ein Clown,
der Dich zum Lachen bringt,
ein Sonnenstrahl,
der Dich auf der Nase kitzelt
und eine Decke,
die Dich wärmt,
wenn Du vor Einsamkeit frierst.

Ich wünschte, ich könnte das alles für Dich sein.
Ich wünschte, ich wäre ein Held,
schön und stark,
der Dich trägt und Dich beschützt.

Ich wünschte, Du würdest jetzt vor mir stehen,
damit ich Dir all dieses sagen könnte.
Ich wünschte, ich hätte den Mut dazu.

Ich wünschte es so sehr.
14.5.09 21:47


Johannsen und das platte Land

Es ist, meine lieben Leser, eine bedauerliche Tatsache, dass ich die Arbeit nicht erfunden habe und es ist sogar recht wahrscheinlich, dass ich demjenigen, der sie erfunden hat, bestimmt keinen Drink an der Bar spendieren würde.
Aber was hilft´s? So ein ausschweifendes Leben will finanziert sein, der Porsche tankt kein Wasser und das Rennpferd legt keine Eier, die ich für teures Geld verkaufen könnte.
So dachte ich mir, wenn ICH schon nicht arbeite, so könnte ich wenigstens den anderen Menschen zu einer Betätigung verhelfen. Ich dachte mir, es wäre rein wirtschaftlich ein recht fairer Deal, mich auf diese Weise am Bruttosozialprodukt zu beteiligen.
Da kam mir die desolate Lage des Staatshaushaltes gerade recht, denn wir alle wissen, dass die Inflation voran galoppiert, die Rentner sich kein Katzenfutter mehr leisten können und langfristig wahrscheinlich von den Chinesen lernen müssen, in dem sie ihre samtpfötigen Hausgenossen selbst auf den Speiseplan setzen.
Wie dem auch sei: die Lage ist verzweifelt, ja, fast hoffnungslos, was wiederum die privaten Arbeitsvermittler freut, die wie Pilze aus dem Boden wachsen.
„Dieser Job“, so dachte ich mir“ wird dir gefallen. Menschen, die von dir und deiner Gnade abhängig sind; und – wer weiß – vielleicht springt ja auch das eine oder andere schöne Bestechungsgeschenk heraus...“.
Ich heuerte also auf dem modernen Sklavenschiff an und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Sie kamen und zwar gewaltiger, als ich es zu fürchten glaubte.
Sie, meine lieben Leser, wissen, dass ich aus dem hohen Norden unserer wunderschönen, wenn auch wirtschaftlich maroden Heimat stamme, und wenn Sie meine Geschichten gelesen haben, so wissen Sie ebenfalls, dass der Norden sich in zwei Lager aufteilt: die Ostseeküste, eine wundervoll geschwungene Landschaft, reizvoll gestaltet und bewohnt von einer der gelungensten menschlichen Rasse. Der Ostseebewohner ist wohlgeformt, intelligent, laut Aussagen meiner Oma geradezu arisch und überhaupt eine Bereicherung füdie gesamte Menschheit. Ganz anders die Nordseeküste: dieses Land ist flach, flach, flach und so lebensfeindlich, dass hier nicht einmal Skorpione leben, welche ja bekanntlich in den unwirklichsten Gegenden ein Zuhause finden. Zumindest habe ich hier noch keine gesehen und wenn Sie glauben, die Missionare hätte im frühen Afrika gefährlich gelebt, dann kennen Sie das Leben entlang der Bundesstraße 5 nicht. Sylt hat hierbei natürlich eine Sonderstellung, ähnlich wie New York in den USA.
Mein neuer Chef schickte mich nach Niebüll. Niebüll liegt „in the middle of nowhere“ und die aktuelle Rechtsprechung besagt, dass Gewaltverbrechen und Suchterkrankungen in Niebüll nicht geahndet werden, da diese unter den Notwehrparagraphen fallen.
Niebüll besteht aus kleinen Häuschen aus rotem Backstein, welche stets irgendwie gedrungen aussehen und nicht hübsch, sondern ausschließlich zweckmäßig sind. Sollten Sie dort in einem Vorgarten mal auf ein paar reizvoll angeordnete Gänseblümchen stoßen, so können Sie davon ausgehen, dass in diesem Haus entweder ein Zugereister oder ein Homosexueller wohnt. Ähnlich wie die Häuser verhält es sich auch mit den Menschen: sie sind nicht hübsch, sondern eher zweckmäßig. Sie haben zwei Augen, eine Nase und zwei Ohren, welche aber nicht zu groß sein dürfen, da an der Nordsee stets eine frische Brise geht und jemand mit Segelohren schnell einmal in eine stabile Erdumlaufbahn geweht werden kann. Das ist zwar optisch ganz reizvoll, aber leider nicht besonders abendfüllend.
Sehr benutzerfreundlich hingegen sind die Namen. Der Nordfriese besitzt 3 Nachnamen: Petersen, Hansen und Johannsen. Daran angelehnt sind auch die Vornamen: Hans, Peter und Heinrich. Nun dürfen Sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und diese Namen nach Herzenslust kombinieren: Hans-Peter Johannsen, Heinrich Petersen, Hans Hansen, Peter Petersen, Peter-Heinrich Hansen usw. Sollten Sie auf ca. 12.000 Kombinationen kommen, dann haben Sie wahrscheinlich das Niebüller Telefonbuch vor sich.
Dem Nordfriesen sagt man nach, dass er recht eigensinnig und verschlossen ist und einen ganz eigenen Sinn für Humor hat. Das mit dem Humor halte ich zwar für ein Gerücht, denn sollte in dieser Region irgendeine Art von Humor gesichtet werden, dann ist dieser sofort zum Abschuss freigegeben. Dann kommt der amtlich bestellte Jäger Hans-Heinrich Hansen und erlöst ihn per Fangschuss von seinem Leid.

Ich hatte also mein neues Büro bezogen und dampfte nur so vor Enthusiasmus und Tatendrang. Lange musste ich auf meinen ersten Klienten nicht warten. Herr Petersen hatte vor mir Platz genommen und glotze mich mit dem abwechslungsreichen Mienenspiel eines toten Fisches an. Genauer gesagt schaute er irgendwie durch mich durch, da er ziemlich kurzsichtig war und seine Brille in die Jauche gefallen war. Er war der typische Vertreter der norddeutschen Gattung; außerdem war ihm wohl irgendwann ein Kord-Hut aus dem Kopf gewachsen, welcher offenbar fest mit der Schädeldecke verwachsen war und sich nicht abnehmen ließ.
„So,“ sagte ich „ sie wollen also wieder arbeiten.“
„Jo!“
„Wissen sie denn, was sie machen möchten?“
„Nö.“
Soweit also zu dieser aufregenden und abwechslungsreichen Konversation. Ich hatte ein kleines Plappermäulchen vor mir und dachte natürlich sofort an eine Beschäftigung in einem Call-Center. Herr Petersens Wortschatz verhielt sich übrigens proportional zu der Menge seiner Zähne: es waren derer nicht viele. Dafür allerdings präsentierten sie sich in einer ebenso reichhaltigen wie reizvollen Farbpalette, welche bei hornhaut-umbra begann und sich dann über ein lindgrün bis hin zu einem fröhlichen sommer-schwarz vorarbeiteten.
Ich ließ mich von unseren kleinen Startschwierigkeiten nicht entmutigen und forschte weiter nach irgendeiner Art von Können, Wissen oder Talent.
„Na ja, was machen sie denn so in ihrer Freizeit?“, wollte ich wissen. Vielleicht kriege ich ihn ja auf die Tour.
„Gartenarbeit.“
„Gartenarbeit!!!“, jauchzte ich „Gartenarbeit ist ja großartig! Was machen sie denn so in ihrem Garten?“
Dann, liebe Leser, passierte etwas, was mich tatsächlich für einige Minuten sprachlos werden ließ (und das passiert bei mir seeeeeehr selten!).
„Ich habe keinen Garten.“
Nun hatte das „Gespräch“ eine überraschende Wendung genommen. Vor meinem geistigen Auge sah ich eine gedrungene Gestalt, welche nachts mit Spaten, Gieskanne und Kord-Hut bewaffnet in fremder Leute Garten steigt und heimlich Tomaten und Stiefmütterchen pflanzt.
„Äh..ja...sie haben also keinen Garten. Wie muss ich mir ihr Hobby dann vorstellen?“
Schließlich, nach mehreren Minuten intensiver Forschung, eröffnete mir meine kleine Zahnfee, dass sie zwar keinen Garten hat, jedoch leidenschaftlich gerne gärtnern würde, wenn sie einen hätte. Das ist ein interessanter Aspekt! Wissen Sie, liebe Leser, eigentlich, dass eines meiner Hobbies Fallschirmspringen ist? Ich meine, ich habe zwar keinen und habe es auch noch nie gemacht, da ich unter Höhenangst leide, aber wenn ich einen hätte, die Technik beherrschte, keine Höhenangst hätte und auch sonst alles stimmen würde, dann, ja dann wäre Fallschirmspringen mein absolutes Hobby. Willkommen im Reich der Mental-Hobbies.
Aber es sollte noch schöner kommen. Mein nächster Klient wurde mir als Herr Wu angekündigt. Aus seinem Namen schloss ich, dass Herr Wu gebürtig wahrscheinlich nicht aus Dithmarschen kommt, sondern eher östlich anzusiedeln ist (so knapp hinter Frankfurt an der Oder). Von meinen lieben Kollegen erhielt ich den wertvollen Tipp, dass es mit Herrn Wu unter Umständen vielleicht und nur ganz vereinzelt zu Verständigungsschwierigkeiten kommen könnte. Würde man dem Herrn jetzt unterstellen, dass er kein Deutsch spricht, so wäre das allerdings falsch: er spricht nur keine Konsonanten. Herr Wu verwendet in seiner Aussprache ausschließlich Vokale, welche er mit kunstfertigem Zungenschlag verknüpft. Wir unterhielten uns etwa 3 Stunden und anschließend wusste ich, dass Herr Wu offenbar als Schweißer auf einem Schiff gearbeitet hat. Jedenfalls glaubte ich das verstanden zu haben. Ja, die Worte „Schweißen“ und „Schiff“ habe ich ganz sicher gehört. Es könnte natürlich auch sein, dass mein Gesprächspartner nur mal dringend schiffen musste und ihm deshalb der Schweiß lief, aber diese Möglichkeit blendete ich komplett aus.
So endete mein erster Arbeitstag und als ich zum Feierabend zu meinem Auto kroch, fiel mir wieder der Erfinder der Arbeit ein.
Der soll mir mal vor den Schreibtisch kommen!
1.5.09 17:32


Ein Ausschnitt voller Wahrheit

Woran erkennen Sie, liebe Leser, eigentlich, dass Menschen die Wechseljahre überstanden haben? Bei Männern ist das ganz einfach: die Farbe ihrer Kleidungsstücke wandelt sich ausnahmslos in beige um. Beige in allen Varianten. Manchmal allerdings, wenn man mal etwas Verrücktes machen möchte, kann auch schon mal ein Teil in waghalsigem bordeauxrot daher kommen. Die beige-Regel gilt also für die breite Masse. Bei Ärzten und Architekten wird der hormonelle Sturm im Wasserglas mit dem Ankauf eines Motorrades gefeiert (wahlweise auch mit einem Cabrio, falls die Bandscheiben dem Easy Rider einen Strich durch die Rechnung machen). Hier noch ein kleiner Tipp für die Motorrad-Industrie: wie wäre es mal mit einer Lederkombi in Senioren-beige? Ich bin sicher, in diesem Punkt auf eine echte Marktlücke gestoßen zu sein.
Soweit also zu den Herren. Aber wie verhält es sich mit den Damen?
Abgesehen von der beigen Kleiderordnung fangen Frauen nach den Wechseljahren an, gebrauchtes Geschenkpapier zu sammeln. In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: jedes Präsent wird mit chirurgischer Präzision aus dem Papier genestelt und zur Seite gelegt, um anschließend das Papier mit der Bemerkung „was für schönes Papier!“ (bei der Kriegsgeneration wahlweise auch mit dem Spruch „wir hatten ja nix damals“) glatt zu streichen und ordentlich zu falten. Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, meiner Großmutter einen Satz gebrauchtes, glatt gestrichenes und sorgfältig gefaltetes Geschenkpapier zu schenken. Selten sah ich solch eine Freude in ihren Augen. Raten Sie mal, was sie mit dem Papier gemacht hat, in welches ich die kleine Sammlung eingewickelt hatte...

Haben Mütter die Wechseljahre abgeschlossen, so bestreiten sie einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Freizeit damit, Zeitungsartikel zu allen möglichen Themen auszuschneiden und ihren Kindern zuzuschicken, zu überreichen, in Lebensmitteln zu verstecken oder per berittenem Boten zustellen zu lassen. Das Thema und der Anlass sind absolut nebensächlich. Einzig die Ästhetik eines sorgfältig ausgeschnittenen Zeitungsartikels scheint der Antrieb zu dieser Aktion zu sein. Meine Mutter praktiziert die Form der Informationsübertragung mit viel Eifer und Ausdauer.
Da der Herrgott mich so sehr liebt, dass er bisweilen ein Exempel an mir statuiert, hat er mich mit dem Morbus-Bechterew-Syndrom gesegnet, einer Form von Rheuma. Diese Tatsache veranlasst meine Mutter, mir sämtliche Artikel, welche auch nur im entferntesten mit dieser Thematik zu tun haben, zu Gesicht zu bringen. Diese Ausschnitte stammen ausnahmslos aus renommierten Fachblättern wie der Bild-Zeitung oder Zeitschriften, welche das Wort „Frau“ in ihrem Titel führen („Bild der Frau“, „Frau aktuell“, „Frau im Spiegel“, usw.). Die Artikel erscheinen nicht selten in den Rubriken „Frau Gisela rät“, „Neues aus dem Wartezimmer“ oder „Hausmittel, die Oma noch kannte“ und platzen nur so vor journalistischer Finesse und sind natürlich über jeden Zweifel erhaben. Findet sich mal kein passender Artikel, muss eben eine Werbeanzeige für irgendein neues Wundermittel herhalten, aber solange man etwas zum Ausschneiden hat, tut es der Begeisterung keinen Abbruch. Die Ausschnitte werden mir dann mit bedeutungsschwangerer Miene und dem Hinweis „Hier, zeig das mal deinem Arzt!“ überreicht. Zaghafte Einwände, dass der Mann das vielleicht schon wissen könnte und darüber hinaus auch noch studiert hat, werden mit einer grandiosen Gebärde und dem Hinweis, das die Tochter von Frau Soundso jahrelang falsch behandelt wurde, weil ihr verantwortungsloser Arzt „die aktuelle“ nicht gelesen hatte, weggewischt.
Also nicke ich interessiert und nehmen die brandheißen Neuigkeiten an mich. Ärzte finden es übrigens total klasse, wenn Patienten ihnen ihren Job erklären und ihre Vorschläge mit einem stichhaltigen Artikel aus „das goldene Blatt“ untermauern. Da stehen die total drauf! Manche bedanken sich anschließend häufig mit einer Spritzenkur mit auffällig langen und dicken Nadeln oder mit Einläufen. Letzteres wurde vereinzelt sogar schon bei Hautärzten beobachtet.
Doch nicht nur in Gesundheitsfragen ist meine Erzeugerin eine Meisterin der schnellen Schere: ihr Reservoir umfasst Informationen aus allen Bereichen. Vor einiger Zeit verkündete ich leichtsinnigerweise, dass ich daran dächte, mir als nächstes Auto wieder einen Mercedes-Benz zu kaufen. Zwei Tage später fand ich zwischen meiner Wäsche einen Zeitungsausschnitt, welcher mich darüber informierte, dass in manchen Ostblockländern Besitzer deutscher Edelmarken ermordet oder zumindest verstümmelt werden, um sie ihrer Fahrzeuge zu berauben. Vier Tage später teilte mir ein kleiner Zeitungsausschnitt mit, dass sehr viele Einwohner von Papua-Neuguinea sich kein Auto leisten können und weitere zwei Tage später erfuhr ich, dass Klimaanlagen in Pkws häufig Auslöser chronischer Atemwegserkrankungen sind.
Kurz darauf eröffnete ich meiner Mutter, dass ich dieses Jahr meinen Urlaub wieder in Italien zu verbringen gedächte, was sie mit Zeitungsausschnitten zu den Themen „Pasta macht dick“, „Geschlechtskrankheiten bei Sextouristen“ und „Frau Ernas Tipps zur Blumenpflege“ quittierte.
Jüngst machte ich die leichtsinnige Bemerkung, dass ich mich aus wachsender Einsamkeit mit dem Gedanken trage, wieder eine Beziehung einzugehen. Meine Mutter nahm diese Äußerung zum Anlass, ihre Schere um die Themen „die neusten Scheidungsurteile“, „Islam in Deutschland“ und die aktuelle Multi-Sanostol-Werbung kreisen zu lassen.
Meine Schwester hatte waghalsigerweise ihre Wohnung gewechselt und erhielt dafür zum Einzug Brot, Salz, die jüngste ADAC-Pannenstatistik für Benzin-Rasenmäher und Frau Ullas Meinung zu der alten Streitfrage „Gardinen oder Rollos“.
Irgendwann, als meine Wohnung nicht mehr vom Flensburger Stadtarchiv zu unterscheiden war und meine Altpapier-Tonne zweimal täglich geleert werden musste, wagte ich die zarte Andeutung, dass ich mir alle für mein Leben notwendigen Informationen aus dem Internet hole und keiner weiteren Wissensquelle mehr bedürfe. Zur Antwort erhielt ich Ausschnitte, welche mich über Generationskonflikte, neue Therapiemethoden bei Demenz und Abfallentsorgung aufklärten. Den schönsten Artikel überreichte mir meine Mutter jedoch persönlich: den über den Sinn von Zeitungsausschnitten!

Ich gebe auf.
29.4.09 20:28


Old words in new shirts

Sprechen Sie “denglisch”? Nein? Naja, vielleicht tun Sie es doch und wissen nur nichts davon. „Ich spreche eine Fremdsprache und weiß nichts davon? Ist der Coastbuster jetzt total bescheuert geworden?“, werden Sie fragen. Doch bevor Sie jetzt Ihre Ehefrau nächtelang wach halten, um aufzupassen, ob Sie im Schlaf nicht irgendeinen seltenen indischen Dialekt sprechen, den man bisher nur für übles Schnarchen gehalten hat, kläre ich die Sache auf. „Denglisch“ ist ein wunderbares Wischiwaschi-Wort für Menschen, bei denen Sie mit einem Langenscheidt-Englisch-Lexikon daneben sitzen müssen, wenn diese morgens einen Furz lassen. Für Menschen, die in Ermangelung einer lebhaften deutschen Sprache Anglizismen um sich streuen wie ein Traktor die Gülle. Natürlich ist es ein bisschen deprimierend, dass wir Deutschen zur Weltsprache nichts anderes beigetragen haben als „Sauerkraut“, „Würstel“ und „Blitzkrieg“, aber das ist immer noch mehr als z. B. Simbabwe, Taiwan, Lichtenstein oder Dänemark eingebracht haben und somit kann man doch wieder ein bisschen stolz sein, oder? Gut, „Blitzkrieg“ lässt sich nicht so häufig in eine Unterhaltung einbringen wie „coffee to go“, aber es ist auf jeden Fall eine interessante Aufgabe. Ich selber habe es vor ein paar Jahren in New York einmal erfolgreich praktiziert. Ich betrat ein Geschäft für das, was der gemeine Amerikaner so Kaffee nennt und hatte mich für einen „White Caffé Mocha hazelnut flavoured Caramel Macchiato Press“ entschieden (übrigens ist da alles drin, bloß kein Kaffee!) und dachte so bei mir: „Wollen doch mal sehen, ob ich nicht durch geschickte Wortwahl meine Herkunft verraten kann, ohne das es aufgesetzt klingt...“. Es war ganz einfach und so hörte ich mich sagen: „Hey Girl, gimme that fuckin´coffee („fuckin´“ gehört immer dazu, sonst hält man Sie für einen aus Texas), or I show you, what a good old german Blitzkrieg is!“. Eigentlich wollte ich lieber „Sauerkraut“ ins Spiel bringen, aber wer will das schon im Kaffee haben? Die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten. Jegliches Gespräch verstummte, jegliche Bewegung erstarrte und für einen Moment schwebte mein Genius über der Kaffeemaschine. Dann stürmten ein paar dunkel gekleidete Herren auf mich zu, um mir – wie ich dachte – zu dieser waghalsig-gelungen Schöpfung zu gratulieren, was sich jedoch als Irrtum herausstellte. In dem sich anschließenden 4 Tage andauernden Gespräch in der FBI-Zentrale stellte sich heraus, dass mein kleiner Exkurs in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts irgendwie feindselig rüber gekommen war und man befürchtet hatte, ich könnte diese „Starbucks“-Filiale dem Erdboden gleich machen. Ich muss neidlos anerkennen, dass die Amis seit Pearl Habour doch ein bisschen was dazu gelernt haben.
Doch wollen wir wieder zurückkehren zu „denglisch“ und Kaffee. Es gibt hierzulande keinen Kaffee mehr zum Mitnehmen. Es gibt nur noch „coffee to go“. Das ist ja auch eigentlich nicht so schlimm, aber was sage ich denn, wenn ich meinen Kaffee gar nicht mitnehmen will? Einen „coffee to stay“ bitte? Ich hatte vor einiger Zeit einmal einen „coffee to run“, will sagen, ein Heißgetränk, dass optisch und geschmacklich irgendwo zwischen asiatischer Nudelsuppe und Kläranlage 1. Becken rangierte und welches mich fluchtartig das Weite suchen ließ.
„Ha!“, werden Sie jetzt sagen, „ Du bist doch selbst gar nicht besser, oder warum nennst Du Dich „Coastbuster“ und nicht „Küstenjäger“? Hm? Na?“. Ich habe nie behauptet, dass ich besser bin. Außerdem geht der Wortwitz doch ein bisschen verloren. Manche Anglizismen sind auch durchaus gestattet. Es wäre wohl ziemlich albern, wenn ein Wachmann auf seiner nächtlichen Runde sein „Alles ok!“ in ein „Gehi-Sprechi“ statt in ein „Walkie-talkie“ sagen würde. Außerdem würde es sicherlich einige fragenden Blicke nach sich ziehen, wenn Sie während einer Prüfung ins Stocken geraten und sich anschließend damit entschuldigen, dass Sie einen „Schwarz aus“ hatten. Haben Sie schon mal Ihrem Chef (oder auch „Boss“ – wie Sie wollen) vorgeschlagen, ein kollektives „Hirnstürmen“ zu praktizieren, um neue Vertriebswege zu erschließen? Mein Tipp: tun Sie es lieber nicht!

Wenn man weiß, was gemeint ist, schadet so ein kleiner Anglizismus auch keinem. Nehmen wir einmal an, Sie stehen am Airport und warten auf Ihren Flug. Dann kommt eine Stewardess mit mitleidigem Blick auf Sie zu, um Ihnen zu sagen, dass Ihr Flug leider gecancelt wurde. Keiner von Ihnen würde beispielsweise erwarten, dass dieses Wort bedeutet, dass leider zu wenig Plätze an Bord sind und Sie vorne auf dem Schoß des Piloten sitzen müssen. Auch wären Sie sicher nicht der Meinung, dass ein hoher Würdenträger Ihrer Kirchengemeinde von der Kanzel herunter befohlen hätte, dass Fliegen nun doch Teufelswerk und somit zu unterlassen ist. Sie wissen, was gemeint ist und flippen dann vorschriftsmäßig aus, weil Ihr blöder Flug nicht stattfindet.
Manchmal allerdings ist so ein aalglatt klingender Werbespruch in Englisch schon ein wenig verwirrend. Erinnern Sie sich noch an das „Come in and find out“ einer Parfümerie-Kette? Klingt das nicht ein bisschen wie „Kommen Sie rein und finden Sie wieder raus.“?

Putzig finde ich es allerdings immer wieder, wenn Gesprächspartner geradezu zwanghaft englische Wörter einstreuen, um dann vor Weltoffenheit und Kompetenz aus der Hose zu platzen. Vor Jahren, als ich für eine amerikanische Hotelkette tätig war, hatte ich einen solchen Vorgesetzten. Er war Weltbürger durch und durch, trug seine Haare wie Bill Clinton, seine Hose wie John Wayne und sein Hirn in einer McDonald´s-Tüte wie George Bush.
Nie werde ich den Tag vergessen, an welchem er mich auf dem Flur anhielt und folgende Worte an mich richtete „Ach, wo ich sie gerade treffe: ich bin gleich Host in einem Meeting und habe bemerkt, wir sind ein wenig short mit Kosmetik-tissues. Machen sie doch noch eine „just-in-time“-Order an das headoffice.“. Kapiert? Ich übrigens nicht. „Soso, du bist also „short“.“, dachte ich bei mir,“ Aber das du einen „Kurzen“ hast, habe ich schon lange vermutet. Aber wie du mir, so ich dir.“.
„No problem. Ich habe die deadline für die „Last-minute“-Order schon im brain und werden das noch vor meinem celebration-evening managen. Im Übrigen habe ich da eine dumping-offer für ein joint venture mit einer anderen company. Dort sind die tissues very viel cheaper “. Das saß. Wir waren auch einer Wellenlänge.
Er wandte sich an mich, verneigte sich gen Washington und entgegnete mir: „Well, ich werde darüber mal memorizen.“, was mich zu einem verbindlichen „Why not? Wir können das ja später noch betalken.“ veranlasste. Ich habe dann übrigens später noch die Papiertaschentücher bestellt, so dass wir für das weekend safe waren. Cool, was? Im Übrigen trug dieser Kollege den großartigen Titel „guest satisfaction manager“ und das, liebe Leser, ist absolut war. Ich muss zugeben, da war ich als einfacher „F&B supervisor“ schon ein bisschen neidisch. Es ist eben ein ganz anderes Arbeiten, wenn man statt „Kellner“ ein „food & beverage transport manager“ ist und statt „Hausmeister“ ein „technical equipment chief organizer“. Ja, das rockt!
Ups, jetzt habe ich bei meinem report fast die deadline für das dinner verpennt. Naja, then till later! See you!
20.7.08 21:08


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