Ich sach ma so.....

 

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Die fünfte Jahreszeit

Liebe Leser, bevor Sie sich in Panik und Ekel abwenden, lassen Sie mich bitte erkl?ren, was damit gemeint ist.
Wie die meisten Norddeutschen verabscheue ich den Karneval, da es mir immer unheimlich ist, wenn Menschen pl?tzlich ohne ersichtlichen Grund jedwede Zurechnungsf?higkeit von sich werfen und zu singen und zu schunkeln beginnen. Ich gehe sogar noch weiter: ich glaube, dass, wenn die Nazis den Krieg gewonnen h?tten, die gesamte Welt jeden Samstag Abend in alberne Kost?me gewandet sich gegenseitig das Leben zu H?lle machen w?rde, indem sie Karneval feiert. Dieses w?re, allein aus ethischen Gr?nden, ein Grund, die Menschheit als Modell einzustampfen und den Ratten und Kakerlaken eine Chance zu geben.

Der Norddeutsche hat also eine andere Jahreszeit, welche ihm allerdings mehr Sorgen bereitet als die vier anderen zusammen ? die Grillsaison.
Da gibt es ganz Hartgesottene, f?r die endet die Saison am 30.Dezember und beginnt am 3 Januar des folgenden Jahres ? die sog. Hardcore-Griller. Zu denen z?hle ich nicht, auch wenn ich zugebe, dass so eine Schinkenwurst nur richtig gut schmeckt, wenn sie halb verkohlt von Grill kommt und mindestens zweimal in die Glut gefallen ist. Das reinigt den Magen und senkt die Anspr?che!

Und so sa?en wir wieder einmal um den festlich gedeckten Gartentisch versammelt, um unseren K?rper mit krebserregenden Stoffen zu erfreuen. Der ?Grill? erinnerte in seiner Standfestigkeit an ein junges Rehkitz, welches sich zum ersten Mal auf seine wackeligen Beinchen bem?ht, um Mutter Reh an Bauch herumzusaugen. Es war nicht direkt eine Profiausstattung, doch f?r die semiprofessionellen Wald- und Wiesengriller, wie wir es waren, doch ausreichend.

Mein Freund Oliver erkl?rte mir mit bedeutungsschwangerem Gesichtsausdruck, dass es prim?r ein Zeitfrage sei, welche ?ber Wohl und Wehe des Grillgutes entscheide ? die Holzkohle m?sse in jedem Fall schon gut durchgegl?ht sein. W?hrend er dieses sagte, f?llte er ungef?hr 1,5 Packungen Qualit?tsgrillanz?nder in den Grill, welcher gro?z?gig gesch?tzt die Fl?che einer Bratpfanne in einem essgest?rten Junggesellen-Haushalt hatte. Dann warf er ohne Vorwarnung ein Streichholz in den Scheiterhaufen, was eine mittlere Explosion zur Folge hatte. Seit dieser Zeit laufe ich ohne Augenbrauen herum, was zwar einen rosigen Teint macht, jedoch insgesamt doch nicht gerade vorteilhaft aussieht. Jaja, die Natur wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Das Blechger?st der Grillstelle hatte das Inferno erstaunlich gut ?berstanden, denn es hatte sich lediglich ein wenig nach hintern gebogen. Sch?n, wenn man Qualit?t kauft.

Dann erschien der Grillmeister mit einem riesigen Pappschild, und begann mit den Worten ?Und jetzt richtig durchgl?hen lassen!? hektisch an zu wedeln. Der Grill hielt sich tapfer, was man von der Hecke des nachbarlichen Gartens nicht behaupten kann. Sie war der kulinarischen Warmfront nicht gewachsen und hauchte ihr Heckenleben unter bemitleidenswertem ?chzen aus. Als sich beim Nachbarhaus bereits die ersten Dachschindeln l?sten und krachend neben den auf der Stra?e spielenden Kindern einschlugen, wurde das Wedeln eingestellt. Was sich zu dieser Zeit im Grill abspielte, l?sst sich mit normalen Worten nicht mehr beschreiben. Es war eine Mischung aus Dantes Inferno und einer Kernverschmelzung und ich begann mich zu fragen, bei welcher Temperatur wohl ein Grill schmelzen m?ge.
Es m?ssen mehr als 4000 Grad sein, denn diese Temperatur herrschte auf der Terrasse. Alle Anwesenden hatten zu dieser Zeit jedwede K?rperbehaarung eingeb??t und das mit spitzer Grillzange auf den Rost geworfene Grillgut verkohlte in Millisekunden zu kleinen schwarzen Klumpen.
Eine unachtsam innerhalb des Sicherheitsabstandes abgestellte Ketchup-Flasche verwandelte sich in ein filigranes Popart-Kunstwerk, was die Beteiligten mit heiterem Entz?cken zur Kenntnis nahmen.
Das kleine Metallgestell namens Grill hielt sich tapfer, auch wenn in Folge der intensiven Hitzeeinwirkungen die Molekularstruktur der Metallbeinchen aufgab und die Stangen langsam mit den Gartenplatten verschmolzen. Zu dieser Zeit gab es auf dem ganzen Grundst?ck keine Pflanze mehr, welche nicht einen ruckartigen Herbst erlebt und ihre braunen Bl?tter zu Boden geworfen hatte. Lediglich ein Kaktus f?hlte sich sichtlich wohl und bl?hte in den pr?chtigsten Farben. Was die Meteorologen zu dieser Zeit dachten, wenn sie auf ein Wetterradar schauten und am s?dlichen Rand unserer Stadt eine extreme Hitzequelle ausmachten, wage ich nicht zu denken.

So ?hnlich mu? ein Wettersatellit einen Vulkanausbruch darstellen.

Die ersten V?gel, welche sich bereits zur Ruhe begeben hatten, wurden durch die Warmfront geweckt und begannen verwirrt zwitschernd ihr Tagwerk.

Endlich, kurz nach Mitternacht, hatte der kleine Klappvesuv, wie ich ihn zu dieser Zeit nannte, sein Pulver verschossen und rauchte friedlich vor sich hin.

Wir sa?en ersch?pft und dem Krebstod durch Schmauchstoffe ein wenig n?her gekommen um die Feuerstelle und versorgten unsere Brandwunden.

Olivers Vorschlag, die Glutreste mit Wasser abzut?ten, wurde verworfen, da zum einen das Rohrleitungssystem massiven Schaden genommen hatte und zum anderen sich das Metall explosionsartig in eine Art Granulat verwandelt und uns alle durchsiebt h?tte.

Alles in allem ein gelungener Abend und so kann man wieder einmal sagen:

Wenn des Nachbarn Hecke brennt,
die Feuerwehr Dein Haus gut kennt,
die Versicherung dich nicht mehr will,
besitzt du sicher einen Grill.

Ach gr?m dich nicht,
denn du wei?t Bescheid,
es gibt nichts Sch?neres
als die f?nfte Jahreszeit!

Guten Appetit!
5.9.05 21:02
 


bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Christian (6.9.05 10:04)
...allerliebst

Ers'ma'

Christian


Salvia / Website (6.9.05 22:42)
*lach* dankeschön, das kommt mir heute gerade recht. Ein herzhaftes Lachen nach einem besch.... Tag ist einfach unbezahlbar!


same / Website (8.9.05 19:09)
hallo coastbuster,

deine treffenden formulierungen: einfach köstlich - auch ein dankeschön von mir!


anett (15.9.05 01:28)
...boah - und da heißt es immer, die norddeutschen seien so kühl. hiermit wurde eindrucksvoll das gegenteil bewiesen! --
gibt es eigentlich augenbrauen-toupets?

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