Ich sach ma so.....

 

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Wie man sich vergnügt

Sollten Sie, liebe Leser, nun schon einige meiner Geschichten gelesen haben, so k?nnte das zwei Gr?nde haben: zum einen lassen Sie sich gern von meinem herrlich trivialen Schunkel-Humor mitrei?en, zum anderen warten Sie vielleicht auf eine Quintessenz, eine Lehre.

Sollte das Zweite zutreffen, dann bringen Sie mich in eine ziemlich peinliche Situation: ich k?nnte jetzt sagen, meine Geschichten haben keine Lehren, Sie haben Ihre Zeit vertan und sind jetzt kein bisschen schlauer als vorher.
Das ist ungef?hr so, als w?rde man auf einem Holzflo? auf dem offenen Meer Feuer machen, mit anderen Worten: es w?rde jeden literarischen Anspruch wegpusten.
Das will ich nat?rlich nicht.
Irgendwann, in 2000 Jahren, wenn sich keine Sau mehr an Konfuzius erinnert, w?re es schon ganz sch?n, wenn alte weise Gro?v?ter unter Schmerzen kleine dicke Kinder auf ihren osteoporotischen Knien sitzen haben und einen Satz beginnen: ?Wie schon der alte Coastbuster sagte...?. Ich wei?, dass ist ein sehr hoher Anspruch, aber ich bin ?ber drei?ig und da hat man keine Zeit mehr f?r Bescheidenheit.
Deswegen habe ich eine gro?e Lehre aus meinen Geschichten gezogen: wir Menschen sind gnadenlos berechenbar, wenn man uns bei unserer chronischen Vergn?gungssucht packt.
Sie m?ssen zugeben, dass dieses ein sehr weise Erkenntnis ist. W??te das jeder, so w?rde dieses das sofortige Ende der Lotterien, der k?uflichen Liebe und ?ffentlicher Hinrichtungen bedeuten.
Gut, ich gebe zu, diese Erkenntnis ist vielleicht nicht gerade von babylonischer Weisheit, aber f?r 5 Minuten Bedenkzeit kann sich das Ergebnis doch sehen lassen.
Die Vergn?gungssucht beginnt im Prinzip im zartesten Kindesalter und findet ihren ersten H?hepunkt mit Beginn der Geschlechtsreife (also wenn der kleine Freund mit blo?en Auge erkennbar ist aber noch nicht selber stehen kann). Oder finden Sie es gerecht, dass ein ?Playboy? jetzt fast 8 Euro kostet?
Mit dem Erwerb einer Fahrerlaubnis nimmt das Elend dann seinen Lauf. Wenn ich all das Geld, welches ich in meine Autos investiert habe, heute noch bes??e, dann w?rden Sie diese Geschichte nicht im Internet lesen, sondern in einem in Schweinsleder gebundenen Buch, welches ich in meinem eigenen Verlag gedruckt h?tte.
Wenn Ihnen das noch nicht reicht, dann lege ich noch nach:
Wenn wir Norddeutschen nicht gerade grillen, angeln, Grog trinken oder Schifferklavier spielen, dann gibt es etwas, was uns magisch anzieht: ein Jahrmarkt (oder Kirmes oder Wies?n oder Kirchweih oder wie Sie das zuhause nennen).
Der Bekannteste ist der Hamburger Dom, welcher in seiner Gr??e ungef?hr Helgoland entspricht . Der Jahrmarkt in meiner Stadt ist da wesentlich ?bersichtlicher; er hat ungef?hr die Gr??e einer gro?z?gig bemessenen Sozialwohnung.
Schon von Ferne br?llt Ihnen eine ohrenbet?ubende Mischung aus Musikst?cken entgegen, f?r die ein DJ in einer Disco gesteinigt w?rde.
Was mich am meisten fasziniert, sind jedoch die tausenden bunt flackernden Lichter. Mein Gehirn befindet sich da immer in einer Entscheidungssituation: es k?nnte sich im Rahmen eines epileptischen Anfalls ein wenig ausruhen oder meine Netzh?ute anweisen, meine Pupillen weit zu ?ffnen, damit sich die h?bschesten Farben in Ruhe einbrennen k?nnen. Die Ger?che tun ihr Bestes, um mich zu bezaubern: die gibt es Pommesfett aus dem Jahr der Wiedervereinigung, fleischlose Bratw?rste, welche in einem Grill-Marathon langsam dehydriert wurden und nat?rlich der Duft von Mandeln, die eine derart dicke Zuckerschicht aufweisen, dass Sie mit dem Erwerb von Hundert Gramm gleichzeitig eine Insulin-Spritze erhalten, um das Schlimmste zu verhindern.
Ich trete an die erste Bude und sage zu dem Verk?ufer, dass ich gern am Dosenwerfen teilnehmen m?chte. Er sieht mich verwundert an und kl?rt mich dar?ber auf, dass man an diesem Stand lediglich Handpizza erwerben kann. Ich schaue auf das Feilgebotene, komme aber zu dem Schlu?, dass ich damit doch lieber werfen m?chte. Daraufhin lerne ich die Treffsicherheit eines Pizzab?ckers kennen, wenn er mit seinem Nudelholz auf ein sich bewegendes Ziel wirft. Beeindruckend.
Nachdem ich die dringendsten Blutungen gestillt habe, ergreife ich an der n?chsten Bude ein Luftgewehr, um nach alter V?ter Sitte zwischen den Stofftieren ein wenig aufzur?umen. Der leicht schielende Oberschusswart m?chte mich mit den T?cken des Gewehres vertraut machen, was ich jedoch mit der Bemerkung ablehne, wir h?tten damals in Stalingrad nur verloren, weil ich an dem Tag einen Arzttermin hatte. Daraufhin lasse ich die Waffe elegant um meinen Zeigefinger kreisen, was dem Budenbesitzer einen Steckschuss in der H?ftgegend beschert. Um den Mann nicht doch noch w?tend zu machen, verlasse ich ohne Gewinn den Stand. Auf Anraten meiner Begleiter versuche ich etwas Ungef?hrliches und kaufe ein paar Lose. Das klappt auch recht gut, denn zu einer freien Auswahl fehlen mir schlie?lich nur noch der Apfel, die Farbe Blau und das K?nguru. Das kann ja nicht so schwer zu bekommen sein, denke ich und kaufe noch einmal 200 Lose.
Lassen Sie mich das Ganze abk?rzen: ich erstand Lose im Wert des s?damerikanischen Au?enhandelsdefizits und wurde mit einer Packung geschmackvoller Wachsmalstifte belohnt. Die waren mir auch wesentlich lieber als so ein Stofftier unbekannter Herkunft, denn ich habe einmal von einem Fall geh?rt, in dem eine Mutter ihrem Kind so ein Stofftier zum Schlafen in den Arm gelegt hat. Als sich dann der Speichel des Kindes mit den zahllos enthaltenen Chemikalien des Stofftieres mischte, entstand eine S?ure, welche nicht nur erheblichen Schaden an der Matratze ausl?ste, sondern auch das Kind f?r den freien Heiratsmarkt nur noch bedingt tauglich machte.
Um diesem Schicksal zu entgehen, nahm ich gl?cklich meine Wachsmalstifte und stopfte sie in meine Jackentasche, wo sie kurze Zeit sp?ter schmolzen und ich aussah wie eine Mischung zwischen einem tropischen Papagei und einem Sch?lerlotsen.
Bei der n?chsten Losbude gewann ich triumphierend eine Flasche deutschen Qualit?ts-Obstschaumwein, welche ich dann siegestrunken leerte. Jetzt wei? ich, wo Autoentwertungen die alte Bremsfl?ssigkeit lassen. Das Brummen meiner Leber wurde schlie?lich immer leiser, so dass wir einen Stand mit Lederwaren ansteuerten, aber nur auf zwei Meter herankamen, weil der Gestank der Lederg?rtel uns nicht n?her kommen lie?. Ich ?u?erte die Vermutung, dass diese Waren wahrscheinlich aus peruanischem B?ffelpenisleder gefertigt sind, da ich kein Tier auf dieser Erde kenne, welches auch in nassem Zustand ann?hernd so erb?rmlich stinkt wie diese G?rtel. Der Verk?ufer nahm uns nicht wahr, da er wahrscheinlich eine ?berdosis Qualit?tsleder erlitten hatte und paralysiert mit dem Halten des Gleichgewichts besch?ftigt war.
Um meinen Kreislauf vor dem Totalabsturz zu bewahren, erstand ich ein Schaschlik. Ich geno? besonders die leckere Kruste und fragte den Koch, was das denn sei. Er entgegnete mir, dass ich den Pappteller mitgegessen habe und war offensichtlich pers?nlich beleidigt.
Auf dem Weg zum Ausgang begegnete uns der Krankenwagen, welchen der Schie?budeninhaber mit letzter Kraft verst?ndigt hatte.
Wir passierten noch den Autoscooter, an welchem sich eine Horde Minderj?hriger tummelte. Die M?dchen, die ?lteste war vielleicht 14, hatten an der Losbude offensichtlich auch alle Wachsmalstifte gewonnen, denn sie sahen im Gesicht aus wie Schoschonen auf dem Kriegpfad.
Was machen Autoscooter-Schlampen eigentlich au?erhalb der Jahrmarktszeit? Vielleicht verkriechen sie sich in eine H?hle, h?ngen sich kopf?ber von der Decke und schlafen.
W?hrend ich noch ?ber diese Frage nachdachte, wurden wir von den Massen auf den Parkplatz geschwemmt, wo ich an meinem Auto einen Zettel fand. Wenn ich den Wagen verkaufen wolle, so sollte ich doch bitte unten angegebene Telefonnummer w?hlen. Das schmeichelte mir, denn offensichtlich hatte mein interessierter Freund schon mal meine Radkappen und meine Au?enspiegel mitgenommen (als Pfand soz.), um meines Besuches sicher sein zu k?nnen.
So fuhr ich gl?cklich und zufrieden nach Hause, wo ich meine Wunden und meine verkorksten Magen versorgte, um anschlie?end einen Kredit bei der Bank zu beantragen. Geld hatte ich ja keines mehr.

Damit komme ich wieder auf die eingangs erw?hnte Lehre: ich wei? nicht, wie Sie, lieber Leser, das sehen.
F?r mich gilt sie in jedem Fall.
22.9.05 23:43
 


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