Ich sach ma so.....

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Abonnieren



* Links
     Eine zauberhafte Site eines ganz besonderen Menschen
     Riding-Mistress - einer der wenigen "Premium-Menschen"
    
     Der Stueben!
     mein Freund Buck - endlich wieder aktiv!
     Hessenoregano






Nomen est Omen

Vor einiger Zeit sitze ich bei meiner geliebten Mutter, welche mich mit frisch gebr?htem Kaffee in ihr Haus gelockt hatte.
Es dauert nicht lange, da nimmt das Unheil seinen Lauf, und sie richtet das Wort an mich:
? Du, ich soll dich sch?n von Frau Bunsemeier gr??en!?
Ich ziehe an meiner Zigarette und antworte mit einem verbindlichen ?Hmmmm?, was soviel bedeuten kann wie ?Ja super. Sch?ne Gr??e zur?ck.? bis hin zu ?Ich habe ?brigens ihre Tochter geschw?ngert.?.
?Sie fragt, wie es dir so geht.?
In diesem Moment mache ich wahrscheinlich in Folge des enorm starken Karate-Mokkas, den meine Mutter immer zusammenbraut und welcher stets den Herzschlag eines nerv?sen Kolibris bei mir hervorruft, meinen entscheidenden Fehler:
?Ich kenne die Frau nicht.?
Ouuuh, b?ser Patzer!
Meiner Erzeugerin wirbelt mit verst?ndnisloser Miene herum, und entgegnet mir: ? Doch, die kennst du! Mit der Tochter ist Tanja doch in den Kindergarten gegangen!?.
Kurze Erkl?rung: Tanja ist meine von mir sehr geliebte Schwester und knapp 4 Jahre ?lter als ich. Nach kurzer aber nicht anspruchsloser Kopfrechenarbeit komme ich zu dem Schluss, dass ich diese Frau NICHT kenne, sofern sie damals nicht zu dem erlauchten Kreis derjenigen geh?rte, welche mir die Brust gaben (und ich will nicht hoffen, dass dies der Fall war!).
Ich gebe meinen Widerstand auf, lasse kurz ein erhellendes Leuchten durch mein Gesicht huschen und antworte: ?Aaaach die! Die hatte damals doch immer diesen gruseligen Kord-Anzug an!?
Verstohlen blicke ich meiner Mutter ins Gesicht, welche daraufhin den Blick zur Decke wirft und antwortet: ? Du, das war damals modern.?.

Ich wei? nicht, woran es liegt, aber M?tter, welche ja ohnehin genetisch f?r die Verwaltung und Verbreitung von Familiengeschichten zust?ndig sind, haben ein geradezu elefant?ses Ged?chtnis f?r die trivialen Einzelheiten der letzten 40 Jahre (vorausgesetzt, sie sind ?ber 50):
Tante Hermis schlimme Bronchitis anno`65, Onkel Gustavs N?rnberger Proze? 1948 und Frau Bunsemeiers missgl?ckte Modeversuche in den fr?hen 70ern.

Das war mir zumindest f?r dieses Mal eine Lehre, nicht so gedankenlos mit der Vergangenheit umzugehen, auch, wenn es nicht meine eigene ist.

Leider setzt bei mir nur selten ein Lernproze? ein und so tappe ich ein paar Wochen sp?ter in die n?chste Falle.
Ich sitze mit meiner lieben Mutter (mit wem sonst?) in meinem Auto und steuere zwecks eines Spazierganges das n?chste Waldst?ck an. Die alte Dame ist ja auch froh, wenn sie mal rauskommt.
Das Gespr?ch pl?tschert nichtssagend dahin, bis mein familieneigenes Ged?chtnisgenie die entscheidende Aussage macht:
?Du, sch?ne Gr??e ?brigens von Hildegard.?
Hildegard? Wer zum Kuckuck ist Hildegard?
Schwei?perlen treten auf meine Stirn und ich durchforste mein Langzeitged?chtnis auf der Suche nach Hildegard, finde sie aber nicht. Meine Mutter scheint meine Angst und Unsicherheit ?hnlich wie ein wildes Tier zu riechen und wendet sich mir zu:
?Na, die Hildegard. Die aus Goslar.?
Hilfe! Hildegard aus Goslar schwebt wie eine unheilvolle dunkle Wolke ?ber meinem Auto und entscheidet ?ber Wohl und Wehe der n?chsten Stunden.
Ich war nie in Goslar und ich kenne keine Hildegard, da bin ich mir sicher. Vielleicht hat sich ja auch die liebe Mutti geirrt?
Genauso gut k?nnte man behaupten, die Erde w?re eine Scheibe.
Ich bekomme einen eiskalten Blick zugeworfen und erfahre wieder einmal, was f?r ein furchtbarer Sohn ich bin:
?Wenn ich mal sterbe, dann w?rdest du wahrscheinlich niemanden zur Beerdigung einladen.?
Darauf verschr?nkt sie die Arme und ist beleidigt. ?Doch, Muttilein,? denke ich ? die Hildegard wird sicher da sein und wenn ich sie pers?nlich aus Goslar holen mu?!?.

Endlich werde ich in einem Tonfall aufgekl?rt, der sehr daran erinnert, wie eine Mutter nachsichtig mit ihrem grenzdebilen Spr?ssling spricht: ? Dein Vater und ich waren doch mit Lohses 1968 an der Mosel!?.
Aha, Lohse hei?t die Kanaille!
Leider bringt mich das keinen Schritt weiter, denn ich bin im Jahr 1973 geboren.
Sicher, wenn ich mir ein wenig M?he gegeben h?tte und meine Mutter ein bisschen lieben w?rde, dann w?re ich in meinem vorigen Leben ein Gastwirt an der Mosel gewesen, der 1968 meine lieben zuk?nftigen Eltern und Hildegard nebst Gatten mit selbstgestampftem Wein versorgt h?tte.
Aber ich bin eben kalt und herzlos.

Kurze Zeit sp?ter passiert allerdings etwas, was mich bis heute nachdenklich stimmt.
Meine holde Lebensabschnittsgef?hrtin und ich streifen ?ber den Wochenmarkt auf der Suche nach angefaultem Gem?se zu Sonderpreisen, als pl?tzlich eine korpulente Dame mit strahlendem Gesicht auf mich zusteuert. Da sie mit beeindruckender Leibesf?lle ausgestattet ist, komme ich nicht an ihr vorbei. Da ich es mir auch leider aufgrund k?rperlicher Gebrechen nicht leisten kann, im James-Bond-Stil einen Hechtsprung ?ber einen M?hrenberg (das Kilo zu einem Euro!) zu machen und das Weite zu suchen, bleibt mir nichts anderes ?brig, als in Richtung der immer gr??er werdenden Jacketkronen zu steuern.
?Hallo!?, kreischt mir die bis dato Unbekannte entgegen und presst mich in ihr Dekoltee, welches buchst?blich alles in den Schatten stellt.
Nachdem ich mich von der ?berdosis ?Tosca? erholt habe und ihre fleischigen Arme mich wieder freigegeben haben, sprudelt sie los: ? Mensch, dass ich dich hier treffe! Wie geht es dir denn so? Wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht getroffen!?.
Ja, das k?nnte stimmen. Ich kann mich spontan an keine Zusammenkunft in meinen letzten 32 Lebensjahren erinnern.
Das kann meine neue Freundin nicht beeindrucken: ? Sag mal, spielst du immer noch so sch?n Trompete??. Meine Trautholdeste knufft mir bei diesem Satz in meine rechte K?rperh?lfte und sagt mir mit Hilfe eines ?rgerlichen Blickes: ?Wieso hast du mir nie erz?hlt, dass du Trompete spielst? Und dann auch noch sch?n.?.
Unn?tig zu sagen, dass ich nie Trompete gespielt habe. Seit ich mir in der 5. Klasse beinah mit meiner Blockfl?te einen Schneidezahn ausgeschlagen habe, begleitet mich eine panische Angst vor allen Instrumenten, die man sich in den Mund stecken mu?. Au?erdem sind sie wahnsinnig unhygienisch.
?N?.?, murmle ich hilflos, ? Das habe ich aufgegeben.?
Dann schaue ich gespielt panisch auf meine Uhr, rufe laut ?Himmel! Unser Parkticket l?uft ab!?, und entfliehe mit meiner Freundin durch einen Stapel Kohlrabi.
Nach 2 Kilometern kr?ftezehrendem Sprint halten wir schnaufend an und mein liebes Weib fragt mich: ?Wer war DAS denn??, worauf ich nur antworte:? Glaub mir Schatz, ich habe keine Ahnung.?.
Sollte es in meiner Heimatstadt einen Doppelg?nger von mir geben, so m?ge er sich bitte bei mir melden und meiner Freundin etwas auf seiner Trompete vorspielen, damit ich endlich Ruhe habe.

Leider passiert es mir in letzter Zeit immer h?ufiger, dass mich entsetzlich alte Menschen auf der Stra?e ansprechen und sich als alte Klassenkameraden ausgeben. Ich kenne keinen einzigen von Ihnen. So langsam mache ich mir doch Sorgen. Wieso kenne ich niemanden, der mich kennt? Wo war ich die letzten 32 Jahre? Wo sind die Leute, an die ich mich entsinnen kann? Alles Trugbilder meines kranken Geistes?

Ich zweifle an meinem Verstand.




25.9.05 12:52
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


same / Website (25.9.05 23:48)
so, jetzt kann ich nicht mehr schlafen, bin ganz wachgerüttelt vor lachen.
***ggg***


-buck (1.11.05 11:36)
Lass mich zu dem letzen Satz dieses wieder einmal grandiosen Beispiels Deines Schaffens nur so viel sagen:

Damit bist Du nicht allein.



Darüberhinaus frage ich mich, wie so viel unerhört genialer Blödsinn aus einem einzigen Hirn träufeln kann.
(Natürlich habe ich meine Vermutung, aber dazu sage ich jetzt nichts... )

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung