Ich sach ma so.....

 

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Verbissen

Wer, liebe Leser, kennt das nicht? Da liegt man friedlich im Bett oder streift nach Einbruch der Dunkelheit auf der Suche nach Leergut durch die Straßen und plötzlich kommt ein Vampir daher und ruiniert Ihnen mit einem einzigen Biss die nächsten 600 Jahre Ihres Daseins. Zu ärgerlich und ich denke, den meisten von Ihnen ist es so oder ähnlich schon passiert. Ein kurzes stechendes Gefühl am Hals und Sie können nur noch Nachtschicht arbeiten, sich am Strand allenfalls einen Mondbrand holen, müssen in mucheligen Holzkisten schlafen und – wenn Sie der Hunger plagt - die Currywurst mit Pommes gegen die Halsschlagader ihrer Nachbarin eintauschen. Und was das alles nach sich zieht: soziale Isolation, Sprachfehler durch plötzliche Fehlstellung der Vorderzähne, nutzlos gewordene Alibert-Badezimmer-Spiegelschränke, keine Weihnachtsandacht in der Kirche mehr, und, und, und.

So nutzten meine holde Lebensabschnittsgefährtin und ich jüngst zu nachtschlafender Zeit einen kurzen Verdauungsspaziergang von unserem Lieblings-Griechen nach Hause dazu, diese Problematik intensiv zu diskutieren. Aufgrund der genossenen Menge an Knoblauch hätte ich nicht nur sämtliche Vampire von der Landkarte putzen können, sondern auch Länder erobern, Wälder entlauben und Stahltüren schmelzen – alles mit einem Atemzug. Meine Liebste hatte zusätzlich noch zur Wahrung der griechischen Esskultur und um unsere Gastgeber nicht zu beleidigen, dem Ouzo stark zugesprochen. Ein Vampirbiss wäre in jedem Fall tödlich gewesen – für den Vampir. Ich denke, 5,4 Promille hauen auch ein Wesen aus der Schattenwelt aus dem Totenhemd. Uns drohte diesbezüglich an besagtem Abend also keine Gefahr, aber so ist es ja leider nicht immer, denn zumindest essen wir nicht täglich Tonnen von Knoblauch, so dass ich mich dieser Problematik dringendst annehmen musste. Da traf es sich vorzüglich, dass unsere Freunde Ike und Silke, welche eher der dunklen Seite des Lebens zugewandt sind, uns mit einem Fachbuch mit dem verheißungsvollen Titel „Vampire, Vampire“ bedachten. Es handelt sich dabei um ein seriöses Fachbuch, welches den Leser in die Lage versetzt, am spannenden Leben der Blutsauger teilzuhaben, um dann zu entscheiden, ob er dem Verein beizutreten wünscht oder nicht. Sollten Sie sich gegen eine Existenz als Vampir entscheiden, so hält der Schmöker eine Vielzahl an Möglichkeiten bereit, um sich gegen eine Zwangsrekrutierung zu wehren.
Nun genießt die gesamte „Vampir“-Thematik aufgrund dieses ganzen „Twilight“-Gerümpels im Kino und Fernsehen besonders bei jüngeren Menschen eine romantisch-verklärte Popularität. Das ist für mich durchaus verständlich, hat sich doch die Lebens- und Karriereplanung beim Nachwuchs um eine realistische Möglichkeit erweitert. Jetzt werden alle, die nicht zum Hartz-4-Empfänger, Popstar oder Model taugen, auf Vampir umsatteln (zumal für diesen Beruf weder der Besuch einer weiterführenden Schule und schon gar kein Hochschulstudium erforderlich sind). Man muss lediglich des Nachts über den Friedhof des Vertrauens streifen und Augen und Adern offen halten. Ist der Bewerber dann optisch nicht zu abstoßend, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Robert Pattinson aus dem nächsten Grab hüpft und die Blutsbrüderschaft einläutet.

Aber darum ging es uns nicht. Wir möchten eben KEINE Vampire werden und dabei sollte uns das besagte Büchlein helfen. Ich darf Ihnen, liebe Leser, sagen, dass ich mich nach der Lektüre nun mit Stolz und Recht als Experte auf diesem Gebiet bezeichnen darf, obwohl die Tatsachen wenig romantisch und teilweise recht ernüchternd sind. Vergessen Sie alles, was mit Bissen in hübsche Frauenhälse, mit Holzpflöcken durch das Herz, mit Verwandlung an eine Fledermaus oder Knoblauch zu tun hat. All dies entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und ist ebenso eine Erfindung des Fernsehens wie der dicke fröhliche Weihnachtsmann, den Coca-Cola uns seit fast hundert Jahren vorgaukelt. Es ist alles viel simpler und teilweise geradezu grotesk. So verwandelt sich der Blutsauger in der klassischen bulgarischen Variante gar nicht in eine Fledermaus, sondern in eine Kröte, einen grünen (!) Maulwurf, einen Hahn, ein Lamm oder – Achtung! – in einen Heuschober! Ferner sollten Sie sich in Acht nehmen vor Wassermelonen, Kürbissen, Betten, Stühlen und gewissen menschlichen Körperteilen wie z. B. Augen; aus allem kann binnen von wenigen Augenblicken ein Vampir werden. Zum Glück hatte ich schon immer eine natürliche Scheu vor Obst. Ich stelle mir gerade vor, wie Herr Pattinson in das Schlafgemach seiner Angebeteten in Form eines grünen Maulwurfs oder einer Honigmelone kullert und bin mir ziemlich sicher, dass die Kinofilme in diesem Fall vielleicht nicht ganz so erfolgreich gewesen wären. Nun noch ein anderes Bild für die Puristen unter uns: stellen Sie sich bitte Bela Lugosi vor, wie er die Damenwelt der Stummfilmzeit als Heuschober erschreckt. Das wäre nicht nur recht albern, sondern auch sehr unpraktisch, es sei denn, Sie können sich vor Augen führen, wie des Nachts ein Heuschober durch das offene Fenster in ihr Schlafgemach schwebt, um Ihnen das Blut auszusaugen.
Überhaupt scheint sich jede Volksgruppe ihre Vampire so zu Recht zu basteln, wie sie sie gerade benötigt. So kann in Ungarn ein Vampir durchaus auch als Gebüsch auftreten. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, wie dann die polnische Variante aussieht; Blutsauger in Form von Gebrauchtwagen vielleicht. Die Dänen würden sich plötzlich vor Flaschen mit bunten und süßen Likören fürchten, der griechische Vampir kommt als Euro-Rettungs-Fond daher, Schweizer Blutsauger sind aus Schokolade und die italienische Ausgabe verschafft sich als Spaghetti carbonara Zutritt zu Ihrem Schlafgemach. Man kann also nichts und niemandem mehr trauen. So besprühen meine Trautholdeste und ich neuerdings jeden Behördenbrief mit Tsatsiki, denn die deutsche Variante der Vampire könnte sich sicherlich unter dem Deckmantel von Recht und Ordnung verbergen.

Aber damit nicht genug. Wer von uns erinnert sich nicht wehmütig an den großen Schauspieler Christopher Lee, wie er seine Zähne in den unberührten bildschönen Hals einer Jungfrau schlägt, um sie zu der Seinen zu machen? Da muss man weiß Gott kein Fetischist sein, um das Knistern der Erotik zu hören. Die Wahrheit ist wie immer viel glanzloser. Zwar beißen Vampire auch in Hals und Büste, viel häufiger jedoch in den Bauchnabel, das Ohr und sogar in den Hintern. Liege ich falsch, wenn ich annehme, dass Klaus Kinski als „Nosferatu“ nur halb so gruselig gewesen wäre, hätte er den gesamten Film damit verbracht, auf Knien rutschend seine potenziellen Opfer zu verfolgen, um sie in den Allerwertesten zu beißen? Nichts ist es mit den gut aussehenden (wenn auch blassen) jugendlichen Vampiren, welche sich an fremder Leute Hälsen zu schaffen machen. Stellen Sie sich lieber darauf ein, dass Ihnen ein Heuschober oder irgendein Kürbis in den Arsch beißt – kein wirklich erstrebenswerter Zustand, oder? Allerdings habe ich durch meinen Vampir-Wälzer endlich die Notwendigkeit von Bauchnabelpiercings erkannt. Allerdings sollten die Damen als Material Silber oder das Holz einer weißen Eiche bevorzugen. Das niedliche kleine Glitzer-Piercing aus Chirurgenstahl bleibt dem Fremdtrinker allenfalls in den Zähnen hängen. Im Notfall können sich die Männer auch mit einem 3,5-Kilo-Echtholz-Genital-Piercing behelfen, sofern es beispielsweise aus Ahorn gefertigt wurde. Ihr Baumarkt hält Varianten in allen Preis- und Gewichtsklassen für Sie bereit. Was das Beißen in die Ohren angeht, so kann das für die Opfer doppelt ärgerlich werden, da häufig nicht nur der Verlust von Blut zu beklagen ist, sondern auch teure Hörgeräte dem Durst zum Opfer fallen. Und welcher Vampir ist schon Haftpflicht versichert? Besonders armselig erscheint da der bulgarische Vampir, denn er ernährt sich nicht nur von Blut, sondern vor allem von menschlichen Exkrementen. Warum? Bulgarische Blutsauger haben nur kleine recht stumpfe Zähne, mit der sie die menschliche Haut kaum verletzen können. Sie spitzen vor dem Essen kleine Holzstöcke an, um ihre Opfer damit gebrauchsfertig zu machen. Vorsicht also in jedem Fall vor bulgarischen Pfadfinder-Gruppen!

Nun jedoch zum zentralen Punkt: wie schützt sich meine Leserschaft wirksam davor, ein scheißefressender Kürbis zu werden? Damit kann man gar nicht früh genug beginnen. So sollten Tote, die aus irgendeinem Grund den Verdacht erwecken, sie könnten als Vampire wiederkehren, bereist vor der Bestattung entsprechend präpariert werden. Die slawischen Völker halten da allerhand bereit. So werden Tote mit Schweineschmalz eingerieben oder man stopft ihnen Hirse und Knoblauch in Mund, Nase, Augen und Ohren. Das erinnert zwar eher an ein Barbecue-Rezept von Jamie Oliver, soll aber helfen. Ein kostengünstigere Variante besteht darin, den Toten mit dem Gesicht nach unten zu bestatten, damit er sich statt nach oben in die Freiheit immer tiefer eingräbt und somit nicht zurückkehren kann. Vampire scheinen den Orientierungssinn meiner Mutter zu besitzen, wenn sie sich tatsächlich in ihrem eigenen Sarg verlaufen. Sollte meine Leserschaft diese Variante wählen, dann achten Sie bitte darauf, dass Ihnen nicht aus Versehen ihr Navi in den Sarg rutscht und die untote Oma am Ende doch noch den richtigen Ausgang findet. In Serbien wurde der Mund der Toten zusätzlich noch mit Eisennägeln gefüllt, wohin gegen die Leute aus Pommern oder Bulgarien aus dem Sarg ein Picknick-Korb machten, indem sie Kerzen, Handtücher, Kleingeld, Hostien, rohes Fleisch, Wein sowie Brot hinein gaben. Wirklich durchdacht – das muss ich schon sagen! Ein satter Vampir braucht nichts zum Saugen. Nur die Sache mit dem Kleingeld leuchtet mir nicht ganz ein. Sollte das vielleicht das Kleingeld für den Pizzaboten sein? Wäre ja nett…

Aber bleiben wir mal klassisch. Das Pfählen hat eine gute Tradition und wenn meine Ausführen bei Ihnen für Ernüchterung gesorgt haben sollten, so kann ich Ihnen eine frohe Mitteilung machen: der gute alte Holzpflock tut es immer noch! Allerdings wird er nicht immer durch das Herz getrieben. Als Vampir sollten Sie damit rechnen, dass Ihnen jemand einen Pflock aus Walnuss-Holz in das Herz, den Nabel, die Augen, den Kopf oder den Hintern rammt – auch nicht jedermanns Sache!

Für die Chuck Norris-Fans unter Ihnen gibt es übrigens noch eine außerordentlich gefällige Variante, das verstorbene Familienmitglied vor dem Schicksal zu bewahren, demnächst als Vampir oder Vampöse (wie heißen eigentlich weibliche Vampire??) unterwegs zu sein. Schießen Sie bei der Beerdigung eine Salve Silberkugeln in den Sarg. Allerdings kann dieses Verhalten die anderen Besucher der Beerdigung möglicherweise ein wenig irritieren. Rechnen Sie also nicht unbedingt mit Dankbarkeitsbezeugungen oder Beifall. Die Verwendung von Kleinkalibergewehren statt das einfache Werfen einer Rose in das offene Grab ist gesellschaftlich immer noch nicht enttabuisiert worden, auch wenn Sie den übrigen Anwesenden wahrscheinlich das Leben gerettet haben. Was kann Ihnen schlimmstenfalls passieren? Hausverbot auf dem Friedhof.

Steht der fertige Vampir schon vor Ihnen, dann empfehlen sich die Klassiker wie Kruzifixe, Bibeln oder Gesangbücher. Ist Ihnen diese Variante zu langweilig, so können Sie den Angreifer auch abwehren, indem Sie ihn mit Mohn, Hafer oder Leinsam bewerfen, ihn mit Senf beschmieren, mit feinem Sand überschütten oder ein Fischernetz über ihn werfen. Wer hätte gedacht, dass Käpt´n Iglo in Wahrheit Vampirjäger ist? Als letzte Möglichkeit bleibt meiner geneigten Leserschaft immer noch das Läuten der Kirchenglocken, aber wer führt schon ständig seine Kirchenglocke mit sich?

Wichtigste Regel? Nicht alles so verbissen sehen!
14.3.14 14:17
 
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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Christian / Website (22.4.14 09:24)
Endlich wieder da! :-)


Ulf Fischer / Website (26.4.14 11:38)
Grandios mein Lieber! In Zukunft werde ich Vampire ganz anders sehen bzw. war mir garnicht bewusst schon so viele im realen Leben gesehen zu haben. Sehr bissig geschrieben - Bravo!
Herzlichst, Ulf

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